Ukraine trifft Ölanlagen auf Krim – Russland verhängt Tankverbot
Die Ukraine hat in der Nacht die von Russland besetzte Krim angegriffen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte auf X Berichte über Angriffe auf ein Öldepot auf der Halbinsel sowie eine Öltransportanlage in der russischen Region Krasnodar. Nach russischen Angaben wurden bei dem Angriff auf der Krim mindestens vier Menschen getötet. Es gebe 28 Verletzte, teilte der von Russland eingesetzte Besatzungschef der Krim, Sergej Aksjonow, am Morgen bei Telegram mit, ohne Details zu nennen.
Nach den nachträglich von der Ukraine bestätigten Berichten in sozialen Netzwerken gab es mehrere Explosionen und Brände in verschiedenen Regionen der Halbinsel. Im Kraftstoffterminal der Hafenstadt Kertsch sei ein Feuer ausgebrochen, eine große Rauchwolke liege über der Region, berichtete das örtliche Telegram-Portal . Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Die russischen Besatzungsbehörden sprachen ebenfalls über Angriffe, darunter auf die Hafenstadt Sewastopol.
Selenskyj lobte die »erfolgreiche Arbeit« der verschiedenen Geheimdienste mit den Schlägen in 300 Kilometer Entfernung von der Front. »Ziele auf beiden Seiten der Krim-Brücke wurden getroffen: Seelogistik für den Transport von Öl in der Region Krasnodar und ein Öllager im vorübergehend besetzten Kertsch«, teilte der Präsident mit. Er veröffentlichte ein Video, das die Folgen der Schläge zeigen soll. Es seien militärische Ziele getroffen worden, darunter mehrere Anlagen der russischen Flugabwehr, schrieb Selenskyj weiter.
In der Nacht hatten russische Behörden über die Schließung
der Krim-Brücke zwischen Kertsch und dem russischen Festland für den
Autoverkehr informiert. Auch der Hafen Kawkas auf der russischen Seite der Straße von
Kertsch soll bei dem Angriff getroffen worden sein. Dort liegen ebenfalls ein
Kraftstoffterminal und ein Öldepot. Die Ukraine versucht seit Wochen, mit den
zunehmenden Angriffen die Krim von der Versorgung abzuschneiden.
Tankverbot auf der gesamten Krim
Auf der Halbinsel herrscht seit Wochen Treibstoffmangel. Der von Russland eingesetzte Statthalter von Sewastopol, Michail Raswoschajew, teilte mit, dass sich die Kraftstofflieferungen weiter verzögerten. Die für Sonntag geplante Zuteilung von Benzin für Autofahrer müsse abgesagt werden. Tanken sei nur für die operativen Dienste möglich.
Krim-Statthalter Aksjonow weitete das Tankverbot schließlich auf die gesamte Halbinsel aus. Nur die staatlichen Stellen, die für die Lebensfähigkeit und die Sicherheit der Krim zuständig seien, erhielten noch Kraftstoff. Die Lage habe sich verschärft. »Ich bitte alle, Ruhe zu bewahren«, sagte er in einer Videobotschaft.
Die Tourismusindustrie auf der Krim erwartet, dass in diesem Sommer wegen der ukrainischen Angriffe und der Versorgungskrise Millionen von Urlaubern wegbleiben. Russland hatte die Krim bereits 2014 annektiert und nutzt sie auch als Brückenkopf in seinem seit mehr als vier Jahren laufenden Angriffskrieg gegen die Ukraine.