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Kiew – Hinter der Entlassung des ukrainischen Verteidigungsministers steckt offenbar ein heftiger Machtkampf an der Spitze von Politik und Militär. Präsident Wolodymyr Selenskyj (48) soll die Absetzung von Mychajlo Fedorow (35) mit einem Zerwürfnis zwischen Verteidigungsministerium und Militärführung begründet haben. Das berichten mehrere Abgeordnete und Analysten dem Kyiv Independent.

Demnach ist der Konflikt zwischen Fedorow und Oberbefehlshaber Oleksandr Syrskyj (60) zuletzt immer weiter eskaliert. Viele Abgeordnete der Regierungspartei „Diener des Volkes“ sollen nach der Entscheidung schockiert gewesen sein. Einer sagte dem Kyiv Independent: „Das wirkt wie Verrat. Ich denke, Selenskyj hat sich damit eine Zeitbombe gelegt, da er laut Gesetz Fedorow hätte auswählen dürfen.“

Fakt ist: Die Entlassung trifft einen Minister, der in der Ukraine als beliebt und äußerst erfolgreich galt: So hat er z.B. Elon Musk dazu gebracht, die Starlink-Systeme für die Russland-Streitkräfte von Kreml-Chef Wladimir Putin (73) abzuschalten. Die Folge: zunehmende landesweite Proteste gegen die Entscheidung Selenskyjs.

Nach Angaben desselben Abgeordneten erklärte Selenskyj zwar, auch die Militärführung müsse „neu aufgestellt“ werden, und deutete sogar eine mögliche Entlassung Syrskyjs an. Trotzdem musste zunächst Fedorow gehen. „Das ist eine absurde Antwort. Wenn er der Meinung war, die Militärführung müsse ebenfalls neu aufgestellt werden, warum hat er dann den Verteidigungsminister entlassen?“, sagte der Abgeordnete.

Streit um Reformen und Mobilisierung

Der Politologe Wolodymyr Fesenko (67) erklärt: „Nicht jeder ist mit Fedorows Vorschlägen zur Reform des Militärs einverstanden, insbesondere mit seinen Plänen zur Umgestaltung der Arbeitsweise des Verteidigungsministeriums.“

Veteran Jurij Hudymenko (38) beschreibt es dem Nachrichtenportal NV so: „Es ist ein Konflikt zwischen einem jungen Technokraten und einem General einer überwiegend postsowjetischen Militärschule.“ Der Oppositionsabgeordnete Jaroslaw Jurtschyschin ergänzt: „Fedorow wurde wegen des Konflikts mit Syrskyj, dem alten Armeesystem und allen, die mit Korruption im Militärbereich in Verbindung stehen, abgesetzt.“

Selenskyj soll außerdem Probleme bei Wehrpflicht und Mobilisierung als Gründe genannt haben. Die „Financial Times“ berichtet indes unter Berufung auf Selenskyjs Umfeld, Fedorow sei zuletzt so populär geworden, dass er im Präsidentenlager zunehmend als politischer Rivale gesehen worden sei. Selenskyj fürchte demnach Konkurrenz bei einer künftigen Präsidentschaftswahl. Bestätigt ist das nicht.