Deutliche Worte von der Uefa. Wie die englische Zeitung „The Times“ berichtet, plant Fifa-Präsident Gianni Infantino (56) die Fußball-Weltmeisterschaft zu privatisieren und Anteile am größten Turnier der Welt zu verkaufen.
Demnach sähe der Plan vor, dass eine Firma gegründet wird, die sowohl die WM als auch die Klub-WM kontrolliert. An der Spitze des Unternehmens würde nach Ablauf seiner letzten Amtszeit als Fifa-Boss Infantino stehen. Er wird aller Voraussicht nach im kommenden Jahr bis 2031 wiedergewählt.
Am Dienstagnachmittag verkündete die Fifa in einer Mitteilung die Gründung der Tochtergesellschaft „FIFA Forward Enterprise“ (FFE), „in der die kommerziellen Aktivitäten und das Veranstaltungsgeschäft der FIFA gebündelt werden.“ Basierend auf einer anfänglichen Eigenkapitalbewertung von 20 Milliarden Dollar würde FFE im Laufe dieses Jahres durch die Zusammenarbeit mit Investoren bis zu 4,2 Milliarden Dollar aufbringen.
„Damit wird eine Grenze überschritten“
Die Uefa läuft Sturm gegen den Plan, veröffentlicht eine Erklärung: „Damit wird eine Grenze überschritten, die die Führungsgremien des Fußballs niemals überschreiten sollten. Die UEFA nimmt dies äußerst ernst. Das sollte auch jeder nationale Fußballverband tun. Das sollte auch jeder Beteiligte tun: Ligen, Vereine, Spieler, Fans, Regierungen und alle, denen die Zukunft des Sports am Herzen liegt.“
Und weiter: „Die Seele und die Führung des Fußballs sind keine Handelsgüter – insbesondere nicht, wenn keinerlei Transparenz darüber besteht, wer finanziell davon profitiert. Keiner von uns ist Eigentümer des Fußballs. Es steht der Fifa nicht zu, ihn zu verkaufen.“
Wird der Bruder von Trump-Schwiegersohn Investor?
Dem „Times“-Bericht zufolge wurden bereits Personen, die der US-Regierung von Präsident Donald Trump (80) nahestehen, kontaktiert. Mit dem mächtigsten Mann der Welt verbindet Infantino eine Freundschaft.
Aus der offenbar auch geschäftliche Beziehungen entstehen könnten: Joshua Kushner (41), der Bruder von Trump-Schwiegersohn Jared (45), gilt neben der Bank JP Morgan als potenzieller Hauptinvestor für Infantinos Firma.
Die Aufteilung der Firmenanteile sähe wie folgt aus: Einen Mehrheitsanteil würde die Fifa behalten. Anfangs könnten private Investoren 20 bis 30 Prozent kaufen. Rund 20 Prozent sollen den 211 Mitgliedsverbänden der Fifa zuteilwerden.
Jeder Verband würde Anteile im Wert von rund 20 Millionen Dollar (rund 17,6 Mio. Euro) erhalten, die er auch an Investoren verkaufen könnte. Gerade für kleinere Verbände ein attraktives Angebot. Eine weitere potenzielle Auswirkung: Da die Firma auf Profitmaximierung aus wäre, könnten WM und Klub-WM häufiger als alle vier Jahre stattfinden. Über die Ausweitung der Teilnehmerzahl wird ohnehin schon diskutiert.
Für Infantino würde sich die WM-Privatisierung finanziell lohnen. Laut dem Bericht könnte sich sein Gehalt als Firmenchef auf dem Level des Salärs von NFL-Boss Roger Goodell (67) einpendeln. Der Chef der besten Football-Liga der Welt kassiert geschätzte 64 Mio. Dollar (rund 56,3 Mio. Euro) pro Jahr. Infantino würde sein Gehalt damit fast verzehnfachen.