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Rottenburg an der Laaber (Bayern) – Der Schock sitzt tief in Niederbayern. Der ehemalige Chef der Freien Wähler, Hubert Aiwanger († 55), ist tot und sein Heimatort trauert. Er war Vizeministerpräsident und Wirtschaftsminister von Bayern und wuchs im Ortsteil Rahstorf auf, lebte hier im Elternhaus auf einem Bauernhof. Sein Wahlkreisbüro hatte er in Rottenburg, der Stadt fühlte er sich verbunden. Und die Stadt sich offenbar auch ihm.

Am Donnerstagabend kamen rund 50 Freunde und Weggefährten vor seinem Wahlkreisbüro zusammen. Sie legten Kerzen und ein Foto des Politikers nieder. Der Ortsverband der Freien Wähler Rottenburg hatte zu dem Gedenken eingeladen.

„Er war ein Freund“

Der Landrat seines Heimatkreises Landshut, Alfred Holzner, findet emotionale Worte. „Hubert war für mich weit mehr als ein politischer Wegbegleiter. Er war ein Freund, ein langjähriger Vertrauter und jemand, auf den man sich verlassen konnte“, schreibt der Lokalpolitiker auf Facebook.

Auch der Bürgermeister von Rottenburg an der Laaber, Laurentius Seidl (CSU), zeigte sich tief betroffen. Er bezeichnet Aiwanger als „großen Rottenburger“. Der Politiker sei hier sehr präsent gewesen, sagt Seidl. „Egal welche Veranstaltungen, so wie es ihm möglich war, war er immer da, hat mit den Leuten gesprochen.“ Aiwanger sei nahbar gewesen.

Hubert Aiwanger hat „genauso geredet wie die Leute“

Auch Passanten erinnern sich an den Verstorbenen. „Es ist tragisch, wirklich tragisch“, sagt der Rottenburger Alfons König. Er sei konsterniert, wisse gar nicht, was er sagen solle. Aiwanger habe er oft auf Veranstaltungen erlebt. „Der hat genauso geredet wie die Leute, man hat ihn verstanden, man hat gewusst, was er sagen möchte. Und das, was er gesagt hat, das hat er auch gemacht.“

Anwohnerin Felicitas von Proeck-Zvlcil kannte ihn zwar nicht persönlich, habe ihn jedoch öfter mal vorbeilaufen sehen. Als sie von Aiwangers Tod erfuhr, sei sie sehr schockiert gewesen. Er habe sich sehr eingesetzt für die Bevölkerung und für Bayern. „Ich glaube, das ist ein immenser Verlust – nicht nur für die Familie.“

Stress dürfte bei seinem Tod eine Rolle gespielt haben, vermuten Passanten auf der Straße. „Er hat sich aufgearbeitet“, sagt ein Passant. Das vorläufige Obduktionsergebnis deutet auf einen natürlichen Tod ohne Fremdverschulden hin. Vielleicht habe sich Aiwanger nicht genug um sich selbst gekümmert, vermutet der Mann. „Es ist schade, sehr schade“, sagt eine Dame, als sie mit zwei Brottüten in den Händen die Bäckerei verlässt. Eine junge Frau ergänzt: „Er war unser Promi.“

Auch die Freien Wähler in Bayern wollen sich zunächst der Trauer um ihren plötzlich gestorbenen Parteichef Hubert Aiwanger widmen – erst dann soll es darum gehen, wie man sich neu aufstellt. Die Gremien müssten nun erst Trauerarbeit leisten. „Es ist bei vielen von uns noch nicht richtig angekommen“, sagte Fraktionschef Florian Streibl dem Bayerischen Rundfunk. Auch er selbst könne den Tod Aiwangers bisher nicht fassen, es sei völlig „surreal“: „Ich meine immer noch, er ruft jeden Moment an.“