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Biberach – Als Vollmer gegründet wurde, regierte in Deutschland noch ein Kaiser. Der Maschinenbauer überlebte zahlreiche politische Krisen und zwei Weltkriege. Vollmer war sogar Weltmarktführer. Doch die wirtschaftlichen Turbulenzen der vergangenen Jahre haben den stolzen Familienkonzern in die Knie gezwungen. Rund 450 Beschäftigte am Stammsitz in Biberach bangen um ihre Arbeitsplätze. Vollmer musste überraschend Insolvenz anmelden – das berichtet die „Schwäbische Zeitung“. Die Mitarbeiter sollen davon am Dienstag in einer Betriebsversammlung erfahren haben. Der Schock über diese Nachricht geht aber weit über die Belegschaft hinaus. Denn: Vollmer ist seit 117 Jahren tief im ländlich geprägten Oberschwaben verwurzelt. Im Jahr 1909 gründete Heinrich Vollmer die Firma als Sägewerkstatt. Später spezialisierte sich Vollmer auf Schleif-, Erodier- und Lasermaschinen zur Werkzeugbearbeitung und erlangte in dieser Nische Weltruhm.

Russland-Geschäft weggebrochen

Heute beschäftigt das Unternehmen weltweit rund 1200 Mitarbeiter – 750 davon außerhalb des Biberacher Firmensitzes. Tochtergesellschaften gibt es nach Firmenangaben in 16 Ländern. Seit einigen Jahren steckte Vollmer jedoch in der Krise. Besonders hart traf das Unternehmen, dass das Russlandgeschäft seit dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 wegbrach. Es hatte vor dem Krieg rund zehn Prozent des Firmen-Umsatzes ausgemacht.

Dazu kamen hausgemachte Probleme: Ein geplanter Neubau, dessen Kosten von etwa 100 auf rund 150 Millionen Euro gestiegen waren, wurde 2023 gestoppt. Ende 2025 kündigte Vollmer dann den Abbau von rund 15 Prozent der Stellen am Stammsitz an.

Stadt bangt um wirtschaftliche Zukunft

Geholfen hat es alles nichts: Vollmer muss in die eigenverwaltete Insolvenz. Als Sachverwalter wurde der Stuttgarter Rechtsanwalt Holger Leichtle (55) von der Kanzlei Görg eingesetzt. Er gibt sich kämpferisch: „Wir werden alles daransetzen, den Betrieb fortzuführen“, sagte Leichtle der „Schwäbischen Zeitung“.

In Biberach sitzt der Schock tief. Oberbürgermeister Norbert Zeidler (59) spricht angesichts der Insolvenz von einem „schweren Schlag für den Industriestandort Biberach“. Vollmer sei „ein wichtiger Teil der industriellen Identität Biberachs“. Er setzt jetzt all seine Hoffnung auf die Sanierung: Die eingeleiteten Schritte sollten der Grundstein dafür sein, „das Unternehmen, sein Know-how und Arbeitsplätze zu sichern“.