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Berlin – Es kommt mit Zwiebeln, Salz und Pfeffer aufs Brötchen. Für viele Deutsche gehört Mett zum Frühstück oder zur Party. Besonders bei Männern ist der deftige Klassiker, auch „Maurermarmelade“ genannt, beliebt. Doch die Rohkost für Fleischfans kann zur tödlichen Keimfalle werden. Eine Zehn-Jahres-Auswertung des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zeigt: Bei den häufigsten Ursachen lebensmittelbedingter Krankheitsausbrüche hat Mett inzwischen die Rohmilch auf Platz 1 abgelöst.

2024 verdeutlichte sich die Gefahr besonders: Der größte Krankheitsausbruch durch Lebensmittel des Jahres stand mit dem Verzehr von gewürztem Schweinemett in Zusammenhang. 191 Menschen erkrankten an Salmonellen, 64 mussten ins Krankenhaus. Drei Menschen starben.

Zu Beginn der Zehn-Jahres-Untersuchung war Rohmilch das Lebensmittel, das die Menschen am häufigsten krank machte. Vor allem zwischen 2015 und 2017 häuften sich Krankheitsausbrüche nach dem Trinken von Rohmilch. Danach gingen die Fälle deutlich zurück. „Dass Prävention wirkt, zeigen Rohmilch und Eier: Durch Hygienekontrollen an Rohmilch-Tankstellen, gezielte Verbraucherinformationen und Salmonellen-Kontrollprogramme bei Legehennen sind diese Lebensmittel heute deutlich weniger problematisch“, erklärt BVL-Präsidentin Prof. Dr. Gaby-Fleur Böl gegenüber BILD.

Hygienekontrollen an Rohmilch-Tankstellen

Seit 2015 hat das BVL gemeinsam mit dem Robert-Koch-Institut (RKI) Daten aus der Untersuchung lebensmittelbedingter Krankheitsausbrüche gesammelt und in jährlichen Berichten veröffentlicht. Jetzt zieht das BVL in der Studie „Zehn Jahre lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche in Deutschland: Erreger, ursächliche Lebensmittel und Trends“ eine detaillierte Bilanz.

Von 2015 bis 2024 wurden dem BVL und dem RKI insgesamt 3021 lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche mit rund 19.800 Erkrankten gemeldet. 59 Menschen starben. Die Dunkelziffer der Ausbrüche dürfte erheblich sein. Wer nach dem Essen Durchfall bekommt, geht häufig nicht zum Arzt. Viele Erkrankungen und kleinere Ausbrüche tauchen deshalb in keiner Statistik auf. Nur bei 297 Ausbrüchen konnten die Behörden ausreichend sicher feststellen, welches Lebensmittel die Menschen krank gemacht hatte. Von einem lebensmittelbedingten Krankheitsausbruch sprechen die Behörden, wenn mindestens zwei Menschen durch dasselbe belastete Lebensmittel krank werden. Dabei kann ein Ausbruch nur eine Familie treffen oder Hunderte Menschen in mehreren Bundesländern.

Salmonellen sind häufige Erreger

Zwei gefährliche Keime im Essen machten die Menschen besonders oft krank. BVL-Präsidentin Prof. Dr. Gaby-Fleur Böl zu BILD: „Die häufigsten Erreger bei Lebensmittel-Ausbrüchen über 10 Jahre sind Campylobacter und Salmonellen. Campylobacter sind Durchfall-Bakterien, die vor allem in Rohmilch und auf Geflügelfleisch vorkommen können. Salmonellen treten häufig im Zusammenhang mit rohem Schweinefleisch wie Mett und kurz gereifter Rohwurst auf. Beide Erreger können schwere Magen-Darm-Erkrankungen auslösen.“

Das größte Risiko lauert in der eigenen Küche

Die Durchfall-Bakterien Campylobacter lösten innerhalb von zehn Jahren 1218 Krankheitsausbrüche aus. Salmonellen 929. Die meisten eindeutig aufgeklärten Ausbrüche passieren im privaten Haushalt. BVL-Präsidentin Böl hält deshalb mehr Aufklärung über richtiges Erhitzen, Kühlen und saubere Küchenarbeit für wichtig. Auf Platz zwei folgen Kantinen, Mensen sowie Küchen in Schulen, Krankenhäusern und Pflegeheimen. Danach kommen Restaurants. Take-away-, Fast-Food- und Imbissbetriebe liegen mit deutlichem Abstand dahinter. Während der Corona-Zeit halbierte sich die Zahl der gemeldeten Ausbrüche von etwa 400 auf rund 200 pro Jahr. 2024 stieg sie wieder auf 271 Ausbrüche mit mindestens 2400 Erkrankten, 451 Krankenhausbehandlungen und acht Toten.