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Kellinghusen (Schleswig-Holstein) – Diese Bilder sind nur schwer zu ertragen. Verdeckte Aufnahmen der Tierrechtsorganisation Animal Rights Watch (ARIWA) zeigen, wie Schweine in enge Käfige getrieben und mit Kohlendioxid (CO2) betäubt werden. Die Tiere ringen nach Luft, schreien und versuchen verzweifelt, den Metallgondeln zu entkommen. Doch damit nicht genug: Das Videomaterial zeigt auch, wie einem lebenden Tier ein Teil des Beines abgetrennt wird.

Die Aufnahmen entstanden im Schlachthof R. Thomsen des Fleischkonzerns Tönnies im schleswig-holsteinischen Kellinghusen. Besonders drastisch sind die Bilder aus der CO2‑Anlage: Wie in einem Paternoster fahren sechs Metallgondeln gleichzeitig durch einen rund neun Meter tiefen Schacht. Bis zu sechs Schweine werden in eine Gondel gequetscht und nach unten gefahren. Dort treffen sie auf hochkonzentriertes CO2.

Todeskampf in der Gondel

Für die Tiere beginnt nun ein qualvoller Prozess: Sie schnappen nach Luft, schreien und werfen sich gegen die Metallgitter. Experten zufolge reizt das Gas die Schleimhäute in Augen, Nase und Rachen. Dabei bildet sich Kohlensäure, die stechende und brennende Schmerzen verursacht. Gleichzeitig wird die Atmung schneller und tiefer. Die Schweine leiden unter Atemnot, „Lufthunger“ und einem Erstickungsgefühl.

Durch das Einatmen des Gases verlieren die Tiere nach und nach das Bewusstsein. Anschließend werden sie aus der Anlage befördert, kopfüber aufgehängt und durch einen Entblutungsschnitt getötet. An diesem Punkt zählt jede Sekunde: Die Betäubung wirkt nur eine begrenzte Zeit. Spätestens nach 100 Sekunden muss der Entblutungsschnitt erfolgen. Geschieht dies zu spät, besteht die Gefahr, dass ein Tier noch vor seinem Tod wieder das Bewusstsein erlangt.

Laut ARIWA-Gutachten dauerte es in einem Fall mehr als dreieinhalb Minuten.

Verstörende Szenen in der Schlachtstraße

Eine weitere furchtbare Szene zeigt ein Schwein, das bereits kopfüber in der Schlachtstraße hängt, aber laut ARIWA noch nicht durch den Entblutungsschnitt getötet wurde. Trotzdem setzt ein Mitarbeiter das Messer an und trennt dem Tier im Bereich des Sprunggelenks einen Fuß ab. Das Schwein stürzt zu Boden und wird danach erneut aufgehängt. ARIWA wertet die dokumentierten Vorgänge als schwere Verstöße gegen den Tierschutz.

Das sagt die Firma Tönnies

„Tierschutz ist für uns nicht verhandelbar. Die in unserem Unternehmen eingesetzten Verfahren entsprechen den geltenden rechtlichen Vorgaben (…) Umgehend nach ersten Hinweisen auf mögliche irreguläre Verhaltensweisen haben wir ein ausführliches Tierschutzaudit am Standort durchgeführt. Hier sind keine systematischen oder strukturellen Mängel zutage getreten. Es handelt sich um Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter, die entsprechend aufgearbeitet und sanktioniert werden“, so ein Sprecher des Unternehmens zu BILD.

Und weiter: „Die CO2‑Betäubung ist eine rechtlich zugelassene und wissenschaftlich intensiv untersuchte Methode. Fachleute bewerten sie als die derzeit praktikabelste und tierschutzgerechteste Methode für die Betäubung von Schweinen.“

Der Sprecher zum Vorfall des abgeschnittenen Fußes: „Beim Absetzen der Hinterfüße infolge eines technischen Defekts handelt der Mitarbeiter eindeutig entgegen den vorgeschriebenen Abläufen (…) Dieses Verhalten ist nicht zu tolerieren.“

Tierrechtsorganisation stellt Strafanzeige

ARIWA hat gegen die Firma Strafanzeige gestellt. Eine Sprecherin: „Das ist illegal, was hier passiert, und zeigt den Standard der Branche. Kaum jemand weiß, dass unter solchen Umständen Schweinefleisch produziert wird. Würden solche Videos im Supermarkt laufen, würde das keiner kaufen.“