TKMS erhält historischen Auftrag aus Kanada
Dem Kieler Unternehmen TKMS ist ein historischer Auftrag gelungen. TKMS baut zwölf nicht-nuklear-angetriebene U-Boote seines modernsten Typs 212 CD für die kanadische Marine. Das bestätigte Kanadas Premierminister Mark Carney am frühen Abend kanadischer Ortszeit in Halifax vor seinem Abflug zum Nato-Gipfel nach Ankara. Das erste Boot soll laut TKMS 2033 abgeliefert werden.
TKMS verfügt derzeit über einen Auftragsbestand von 20,8 Milliarden Euro. Enthalten sind darin unter anderem jeweils sechs U-Boote 212 CD für die Deutsche und die Königlich Norwegische Marine. Mit dem Auftrag aus Kanada wächst das Orderbuch von TKMS nach eigenen Angaben um weitere mehr als zehn Milliarden Euro. „Dies ist ein historischer Meilenstein für Kanada, Deutschland und Norwegen und der Beginn einer langfristigen strategischen Partnerschaft, die die Sicherheit, die industrielle Zusammenarbeit und die kollektive Verteidigung im gesamten Nordatlantik stärken wird“, teilte TKMS am späten Montagabend mit. „Für TKMS wird die potenzielle Ausweitung des 212 CD-Programms über Deutschland und Norwegen hinaus den anhaltenden profitablen Wachstumskurs des Unternehmens weiter unterstützen. Der aktuelle Auftragsbestand wird um mehr als 50 Prozent gestützt.“
„Die Boote werden vollumfänglich in Deutschland gebaut und aus Deutschland an Kanada abgeliefert“, sagte Oliver Burkhard, Vorstandsvorsitzender von TKMS, in der Nacht zu Dienstag in einem Gespräch mit Journalisten. Kanada werde aber bereits bei der Produktion der Boote erhebliche Zulieferungen für das Großprojekt leisten, etwa nicht-magnetischen Stahl.
Für die Nato hat die Auswahl von TKMS den großen Vorteil, dass nun über mehrere Länder hinweg eine einheitliche U-Boot-Flotte auf der Basis der 212 CD mit gemeinsamer Ausbildung der Besatzungen heranwachsen kann. Deutschland und Norwegen praktizieren diese enge Kooperation bereits. TKMS hofft, den endgültigen Vertrag bis Ende 2026 abzuschließen und Kanada grundsätzlich in das deutsch-norwegische Programm zu integrieren. Die relativ schnelle erste Lieferung an Kanada schon 2033 wird nur möglich sein, wenn Norwegen oder Deutschland eines der ersten für ihre Marinen bestimmten 212 CD an Kanada „abtreten“. Neben der Stammwerft in Kiel wird die TKMS-Werft in Wismar eng in die Produktion der 212 CD eingebunden sein. Sollte es im wachsenden Orderbuch von TKMS „Engpässe“ geben, setze man für Zulieferungen eventuell auch auf Werftpartner in Europa wie das Unternehmen Navantia in Spanien, sagte Burkhard.
„Gemeinsam werden wir die weltweit größte und modernste konventionelle U-Boot-Flotte aufbauen. Die Informationen, die unsere 24 U-Boote im Nordatlantik, in der Arktis und im hohen Norden sammeln werden, können wir schnell untereinander austauschen, analysieren und nutzen“, sagte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD), der am Dienstag aus Berlin zum Gipfel nach Ankara reisen will. Die Systeme könnten bei Bedarf an vier verschiedenen Werften in der nördlichen Hemisphäre gewartet werden.
„Wir werden liefern“, verspricht TKMS
„Wir haben heute das Vertrauen von Kanada gewonnen. Das ist der Beginn einer vielleicht Dekaden dauernden Partnerschaft mit Kanada“, sagte Burkhard. „Mit dem CPSP übernehmen wir stolz den größten Einzelauftrag in der Geschichte von TKMS – und damit geht ein klares Versprechen einher: Wir werden liefern.“ Das U-Boot vom Typ 212 CD sei gemeinsam mit einer Arktis-Nation – Norwegen – für die Arktis sowie für die Bedingungen des Nordatlantiks und der warmen Gewässer des Pazifiks konzipiert und sei für den Norden gebaut, nicht nur an ihn angepasst: „Gerade in der Arktis benötigen Kanada und seine Nato-Verbündeten zunehmend glaubwürdige Abschreckung und Präsenz“, teilt TKMS mit.
Im Jahr 2021 hatte Kanada das Projekt Canadian Patrol Submarine Project (CPSP) gestartet, um seine U-Boot-Flotte zu erneuern. Seit August 2025 standen TKMS und das südkoreanische Unternehmen Hanwha Ocean als finale Bieter in Konkurrenz um das Großprojekt. Die Bundesregierung, neben Pistorius vor allem Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), hatten sich intensiv für TKMS eingesetzt.
TKMS ist mit rund 9100 Mitarbeitenden Deutschlands größtes Werftunternehmen. Rund 3300 Menschen arbeiten am Stammsitz in Kiel. Mit 51 Prozent hält der frühere Alleineigner ThyssenKrupp weiterhin die Mehrheit an TKMS, 39 Prozent der Anteile sind seit dem Börsengang im Oktober 2025 im Streubesitz, zehn Prozent hält die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung. ThyssenKrupp-Chef Miguel Ángel López Borrego sagte, der Börsengang habe TKMS „genau die Freiheit gegeben, solche Aufträge zu akquirieren. Wir werden noch viel Freude mit TKMS haben.“
Um sein wachsendes Orderbuch zeitgerecht abarbeiten zu können, hatte TKMS aus der Insolvenzmasse von MV Werften im Jahr 2022 die Werft in Wismar übernommen. Auch für German Naval Yards in Kiel hat TKMS in diesem Frühjahr ein Übernahmegebot abgegeben. Die Werft, die direkt neben derjenigen von TKMS liegt und bis 2011 mit dieser zusammengehörte, gehört derzeit dem französischen Unternehmen CMN Naval.
Seine Position als führendes deutsches Marinerüstungsunternehmen hatte TKMS erst im Juni unterstrichen. Das Unternehmen soll vier Fregatten des Typs F128 für die Deutsche Marine für voraussichtlich 6,6 Milliarden Euro bauen. Das Bundesverteidigungsministerium will den Auftrag noch vor der Sommerpause auf den Weg bringen. Geplant ist obendrein eine Option für vier weitere F128. Die Schiffe sollen von 2029 an abgeliefert werden. Der Stahlbau für die F128 findet bei der Rönner-Gruppe in Bremerhaven statt.
Das Verteidigungsministerium schwenkt auf die F128 um, die auf der langjährig von TKMS exportierten Fregatte Meko A-200 basiert. Dieses Schiff wird für die Deutsche Marine angepasst und auf den neuesten technologischen Stand gebracht. Grund dafür ist, dass der Kosten- und Zeitplan für die eigentlich zur U-Boot-Abwehr geplante größere Fregatte F126 völlig aus dem Ruder gelaufen ist. Dem niederländischen Unternehmen Damen Naval war es seit 2020 nicht gelungen, den Bau der F126 im Zeitplan zu halten. Rheinmetall wollte den Bau der sechs F126 als Generalunternehmer fortführen, wäre aber mit rund 18 Milliarden Euro aus Sicht des Bundes deutlich zu teuer geworden. Auch hätte Rheinmetall mit der Ablieferung frühestens 2031 beginnen können.
Olaf Preuß ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG für Hamburg und Norddeutschland. Er berichtet seit mehr als 30 Jahren über die maritime Wirtschaft, über Schifffahrt, Häfen und Werften und auch über die Marinerüstung.