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Umgestürzte Bäume, kaputte Oberleitungen und geschlossene Attraktionen: Sturmtief „Luise“ fegt über Deutschland. Beeinträchtigungen im Bahnverkehr nehmen zu – Hunderte Fahrgäste saßen etwa nach einer Kollision bei Pforzheim in einer Regionalbahn fest. Dabei wird der Höhepunkt des kräftigen Herbststurms erst ab dem Abend erwartet. Besonders heftig trifft es den Harz: Auf dem Brocken drohen in der Nacht zum Sonntag Orkanböen von bis zu 150 km/h. Wanderungen können dort zur Gefahr werden.

Der Deutsche Wetterdienst erwartet den Höhepunkt von „Luise“ am Samstagabend und in der ersten Nachthälfte.

Diese Regionen trifft es besonders hart

Nach den Sturmwarnungen wird es jetzt vor allem für diese Regionen brenzlig:

  • Nordseeküste: Samstag bereits Sturmböen, am Sonntag schwere Sturm- bis teils orkanartige Böen der Windstärke 10-11.
  • Mittelgebirge und Hochlagen: Deutlich heftiger. In exponierten Lagen ist am Sonntag Sturm der Stärke 10-12 möglich.
  • Brocken/Harz: Extremfall! In der Nacht zum Sonntag werden laut DWD Böen bis etwa 150 km/h erwartet.
  • Westen Deutschlands: In der Nacht zum Sonntag kräftige Windzunahme mit stürmischen Böen und Sturmböen (Stärke 8–9).
  • Osten und Südosten: Dort ist die Sturmgefahr mit Windstärke 8 am Sonntag laut DWD vergleichsweise am geringsten.

Im Norden wird es richtig ungemütlich

Besonders im Norden steht ein ziemlich ungemütliches Wochenende bevor. In Hamburg und Schleswig-Holstein wird es nass, windig und zeitweise richtig stürmisch. Schon am Samstag ziehen bei rund 13 Grad immer wieder Regenwolken durch, während der Wind im Laufe des Tages spürbar zulegt. Richtig ruppig dürfte das Wetter dann in der Nacht zum Sonntag werden: Von der Nordsee kommt neuer, teils kräftiger Regen herein, gleichzeitig dreht der Wind weiter auf. Vor allem an der Küste ist ordentlich Bewegung in der Luft. Dort werden schwere Sturmböen um 95 km/h erwartet, in Nordfriesland und auf der Insel Helgoland sind sogar orkanartige Böen um 110 km/h oder darüber möglich. Der Sturm drückt das Wasser an die Nordseeküste, eine Sturmflut wird aber meist nicht erwartet.

Extrem stürmisch wird es tagsüber auch auf dem Brocken. In der Nacht zum Sonntag drohen auf dem höchsten Berg im Harz (Sachsen-Anhalt) Orkanböen mit bis zu 150 km/h. Auch am Sonntag bleibt es stürmisch, dazu kommt teils kräftiger Regen. Für eine Wanderung auf den Brocken ist das eine gefährliche Wetterlage.

Wegen Unwettergefahr rät der DWD zur Vorsicht: Umstürzende Bäume und herabfallende Äste können gefährlich werden. Aufenthalte im Freien sollten deshalb möglichst vermieden werden.

Die Wetteraussichten am Sonntag

Auch der Sonntag bleibt an der Nordseeküste turbulent. Bei ungefähr 13 Grad wechseln sich Regen, Schauer und einzelne Gewitter ab, dazu weht kräftiger Südwest- bis Westwind. Selbst weiter im Landesinneren kann es stürmisch werden, während an der Nordsee vereinzelt Orkanböen nicht ausgeschlossen sind.

Ast kracht gegen fahrenden Zug

Bereits seit Freitag gab es sturmbedingte Einsätze und Schäden. So kollidierte bei Pforzheim eine Regionalbahn mit Hunderten Reisenden mit einem Ast. Der Zug war auf dem Weg nach Mühlacker, als die Windschutzscheibe getroffen wurde. Die Bahn blieb daraufhin auf der Strecke stehen. Feuerwehr, Rettungsdienst sowie Landes- und Bundespolizei rückten an, der Zugverkehr fiel aus. Verletzt wurde niemand.

Am Abend wurde in Karlsruhe wegen eines Sturmschadens der Bahnverkehr komplett eingestellt, nachdem ein Gegenstand in eine Oberleitung geflogen und es zu einem massiven Funkenschlag gekommen war.

Weitere Probleme gab es in Nordrhein-Westfalen. Zwischen Stolberg und Aachen-Rothe Erde beschädigte der Sturm eine Oberleitung. Betroffen waren unter anderem RE 1, RE 9 und RB 20. Zwischen Neuss und Meerbusch blockierte ein umgestürzter Baum die Gleise. Züge der Linien RE 7, RE 10 und RB 37 wurden umgeleitet oder endeten vorzeitig. Auch zwischen Duisburg-Ruhrort und Oberhausen hatte ein Baum die Strecke versperrt.

Sturm weht Bierlaster von der Straße

Eine Sturmböe, zwei Getränkelaster und am Ende eine blockierte Landstraße: Bei Thedinghausen (Landkreis Verden, Niedersachsen) geriet am Freitag zunächst ein Lkw durch starken Wind auf den Grünstreifen. Ein zweiter Getränkelaster wollte an der Stelle vorbeifahren, kam dabei aber ebenfalls nicht weit und blieb stecken. So ging schließlich für beide nichts mehr, und die Landstraße war dicht.

Windrad stürzt um

In der Nähe des Flughafens Weeze (NRW), an der Grenze zu den Niederlanden, ist in der Nacht ein großes Windrad durch den Sturm umgestürzt. Verletzt wurde niemand.

Verletzte bei Oktobermarkt

In Nastätten (Rheinland-Pfalz) stürzte am späten Freitagnachmittag im Bereich der Bahnhofstraße ein Baugerüst um. Da dort gerade der Oktobermarkt stattfindet, wurden nach ersten Angaben mehrere Menschen verletzt. In Weinheim (Baden-Württemberg) krachte während der Fahrt ein rund zwölf Meter langer Baum auf einen Kleinwagen. Die Fahrerin blieb unverletzt, erlitt jedoch einen Schock. Im Saarland zählte die Polizei bis zum frühen Abend bereits 59 Einsätze – die meisten wegen auf Straßen gestürzten Ästen oder Bäumen.

Sturm stoppt große Achterbahnen

Auch im Europa-Park in Rust mussten Besucher auf einige der größten Attraktionen verzichten. Deutschlands größter Freizeitpark fuhr seinen Betrieb wegen des stürmischen Wetters vorübergehend zurück. Die großen Achterbahnen im Außenbereich wurden geschlossen. Sobald es die Wetterlage zulasse, sollten die Fahrgeschäfte wieder öffnen.