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Halle (Sachsen-Anhalt) – Als Sachsen-Anhalts Wirtschaft Antworten wollte, fehlte ausgerechnet der Mann, an den die meisten Fragen gerichtet waren: AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (35) sagte seinen Auftritt beim Unternehmerforum der IHK Halle-Dessau kurzfristig ab. Es ist nicht das erste Mal, dass Siegmund einen Wirtschaftstermin schwänzt.

Dabei stand kein anderer Kandidat stärker im Fokus als der AfD-Kandidat: Fast jede zweite vorab eingereichte Frage richtete sich an ihn und seine Partei. Gerade bei Fachkräftemangel, Arbeitsmigration und Wirtschaftspolitik wollten die Unternehmer genauer wissen, wie seine Konzepte funktionieren sollen. Doch nur wenige Tage vor der Veranstaltung kam die Absage von Siegmund: Er könne aus „persönlichen Gründen“ den Termin nicht wahrnehmen.

Kaum „Remigration“ nach Sachsen-Anhalt

Dabei war IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Brockmeier (61) besonders gespannt auf Siegmund gewesen. Und auf Erklärungen zu einer seiner Erzählungen im Wahlkampf. Siegmund berichtet regelmäßig, dass sich zahlreiche ausgewanderte Sachsen-Anhalter bei ihm gemeldet hätten und in die Heimat zurückkehren wollten. Brockmeier wollte wissen, warum von diesen Rückkehrern bislang nichts zu sehen sei. „Wir leben in einem Land, das in den vergangenen Jahren beachtliche wirtschaftliche Fortschritte gemacht hat. Warum sind da nicht längst die ersten zurückgekommen?“

Dritte Absage bei einem Forum der Wirtschaft

Nach der Veranstaltung kritisierte Brockmeier das Fernbleiben Siegmunds deutlich. „Selbstverständlich bin ich enttäuscht, dass der Spitzenkandidat der AfD abgesagt hat. Wir machen dieses Format seit vielen Jahren und bislang kam es nur sehr, sehr selten vor, dass ein Spitzenkandidat nicht gekommen ist“, sagte der IHK-Chef zu BILD. Besonders geärgert habe ihn, dass zunächst AfD-Politiker Hans-Thomas Tillschneider als Vertreter angekündigt worden sei, der maßgeblich am Regierungsprogramm mitgeschrieben habe. Doch auch er sei letztlich nicht erschienen. Stattdessen kam Jan Scharfenort (53), wirtschaftspolitischer Sprecher der AfD im Landtag. Alle anderen Parteien hatten ihre Spitzenkandidaten geschickt.

Nach Brockmeiers Kenntnis war es bereits das dritte Mal, dass Siegmund bei einer Wahlveranstaltung der Wirtschaft einen Vertreter schickte. „Natürlich hat die Wirtschaft viele Fragen, und es ist sehr bedauerlich, wenn ein Austausch nicht zustande kommt.“

AfD plötzlich für Zuwanderung

Überraschend war die Blitzfragerunde. Auf die Frage, ob Sachsen-Anhalt Zuwanderung benötige, hoben alle, auch der AfD-Vertreter, die grüne Karte. Scharfenort erklärte, seine Partei unterscheide klar zwischen Fachkräftezuwanderung und illegaler Migration. Seine Frau sei vor 14 Jahren als Fachkraft aus Afrika nach Deutschland gekommen.

Bei einer weiteren zentralen Frage an die AfD gab es dagegen keine klare Antwort. In einer ausgelosten Fragerunde traf FDP-Spitzenkandidatin Lydia Hüskens (62) auf AfD-Vertreter Jan Scharfenort. Sie wollte wissen, welche Folgen die von ihm angekündigte Kündigung des MDR-Staatsvertrags für die Bürger hätte. Müssten die Sachsen-Anhalter dann weiter Rundfunkbeiträge zahlen und zusätzlich für einen „Grundfunk“ aufkommen? Eine eindeutige Antwort lieferte die AfD nicht. Stattdessen sagte Scharfenort in Bezug auf den ÖRR: „Dann zahlt man einfach nicht. Das mache ich bereits seit 15 Jahren.“