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„Schockierend“ – Prinz Harry und Elton John scheitern mit Klage gegen Boulevardmedien

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Herbe Niederlage für Prinz Harry, Popstar Elton John und Schauspielerin Elizabeth Hurley: Die britischen Prominenten sind mit ihrer Klage wegen fragwürdiger Recherchemethoden gegen die Mediengruppe Associated Newspapers Ltd. (ANL) gescheitert. Die Kläger hätten ihre Anschuldigungen gegen den Herausgeber von Boulevardzeitungen nicht bewiesen, urteilte am Dienstag der Londoner High Court. ANL sprach von einem „überwältigendem Sieg“ in dem aufsehenerregenden Gerichtsverfahren, Harry nannte das Urteil „schockierend“.

In dem elfwöchigen Prozess sei es den Klägern nicht gelungen, „ihre vorgebrachten Anschuldigungen zu beweisen“, erklärte Richter Matthew Nicklin in dem 436 Seiten langen und schriftlich veröffentlichten Urteil. Ihre Forderungen würden daher zurückgewiesen. Die Anwälte von Prinz Harry hatten „substantielle“ Entschädigungszahlungen des Medienkonzerns an ihren Mandanten und die sechs übrigen Klägerinnen und Kläger verlangt.

ANL steht hinter den Zeitungen „Daily Mail“ und „The Mail on Sunday“. Harry, der jüngere Sohn des britischen Königs Charles III., und die übrigen Kläger hatten ANL unter anderem vorgeworfen, Privatdetektive angeheuert zu haben, um Autos und Wohnungen zu verwanzen sowie illegal private Telefongespräche abzuhören.

Zudem hätten die Detektive falsche Identitäten angegeben, um an medizinische Unterlagen zu gelangen. ANL wies die Anschuldigungen in dem Prozess zurück.

Harry zeigt sich nicht einsichtig

Nach dem Urteil sprach der Medienkonzern von einem „überwältigenden Sieg“ und einer „großartigen Rehabilitierung des Journalismus der ‚Daily Mail‘“. Dass das Gericht „jede einzelne der 97 Anschuldigungen der Kläger“ zurückgewiesen habe, zeige, dass es „die Rechtschaffenheit unserer Journalisten“ bei der Informationsbeschaffung anerkenne. Die Vorwürfe, für die Recherche seien die Autos und Häuser der Kläger verwanzt worden, seien „reißerisch“ und „absurd“.

Prinz Harry kritisierte das Urteil dagegen als „völlig ungerechtfertigt“. In seinem Statement, das Harry gemeinsam mit Mitklägerin Doreen Lawrence wenige Stunden nach dem Urteil abgab, sprach der Royal von einer „offensichtlichen Vertuschung“, die aber nicht unerwartet komme. Man habe versucht, Gerechtigkeit zu erlangen, diese aber nicht erhalten. In einer Erklärung hieß es: „Wir sind vor dieses Gericht gezogen, um Gerechtigkeit zu erhalten und damit die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Doch wir haben weder das eine noch das andere bekommen.“

Den Klägern stehen Ende Juli nun zwei weitere Gerichtstermine bevor, bei denen ihnen auch die Zahlung von Prozesskosten auferlegt werden könnte. ANL gab nach eigenen Angaben umgerechnet knapp 58 Millionen Euro für Verteidiger aus. „Wir werden versuchen, die offenen Fragen zu klären, einschließlich der Rückforderung der Kosten, die uns entstanden sind“, erklärte ANL. Dazu kommen für die Kläger noch die Kosten für ihre eigenen Anwälte, auch diese dürften sich in hoher zweistelliger Millionenhöhe bewegen.

Der Fall Stephen Lawrence und die Rolle der „Daily Mail“

Harry hatte in dem Prozess im Januar in einem bemerkenswerten persönlichen Auftritt vor Gericht und mit einer emotionalen Aussage den ANL-Medien vorgeworfen, das Leben seiner Frau Meghan „zur Qual“ gemacht zu haben. Er selbst sehe seine Rolle, so der mittlerweile 41-Jährige, in einer viel beachteten und zitierten Aussage, als „Ritter“, der gegen den „Drachen“ (sprich, die britische Boulevardpresse) in den Kampf ziehe.

An Bord hatte sich Harry dafür auch die Mutter des 1993 ermordeten Stephen Lawrence geholt. Die (mittlerweile in den Adelsstand erhobene) Bürgerrechtlerin Doreen Lawrence beteiligte sich daraufhin an Sammelklage. Baroness Lawrence of Clarendon warf den Zeitungen der Mediengruppe vor, Mailbox-Nachrichten von ihrem Handy abgehört und sie beschattet zu haben. Auch dieser Vorwurf erhärtete sich vor Gericht nicht.

Der frühere Chefredakteur der „Daily Mail“, Paul Dacre, wandte sich am Dienstag mit einem streckenweise emotionalen Text (unter anderem im „Telegraph“, aber auch der „Daily Mail“ zu lesen) an die Öffentlichkeit und begrüßte die Rehabilitierung seines Blattes und seiner Mitarbeiter. Insbesondere die Beteiligung von Baroness Lawrence sei für ihn persönlich schmerzhaft und auch unverständlich, schrieb Dacre in seinem Artikel weiter, hatte doch seine Zeitung damals die Aufklärung des Verbrechens durch die Berichterstattung entscheidend vorangebracht.

Zur Einordnung: Stephen Lawrence, ein 18-jähriger schwarzer Brite, wurde am 22. April 1993 in London von einer Gruppe weißer Jugendlicher bei einem rassistisch motivierten Angriff erstochen. Die Ermittlungen der Metropolitan Police gerieten früh in die Kritik, weil trotz konkreter Verdächtiger keine Verurteilungen erreicht und zudem schwere Ermittlungsfehler begangen wurden.

Als die „Daily Mail“ im Februar 1997 die fünf Hauptverdächtigen mit Fotos zeigte und sie auf der Titelseite als „Murderers“ („Mörder“) bezeichnete, steckte der Fall praktisch in einer Sackgasse: Weder die polizeilichen Ermittlungen noch eine Privatklage der Familie hatten zu Verurteilungen geführt. Der Titelseite lagen damals auch keine neuen Erkenntnisse oder exklusive Beweise zugrunde.

Stattdessen war es eine rein redaktionelle und journalistische Entscheidung. Die Boulevardzeitung wollte so bewusst öffentlichen Druck auf Polizei und Justiz ausüben und erklärte damals provokativ: „Wenn wir falsch liegen, sollen sie uns verklagen.“ Eine Klage erfolgte jedoch nie. Rückblickend gilt die Aktion der „Daily Mail“ als einer der bekanntesten Momente in der britischen Pressegeschichte.

Die „Invictus Games“, für die Harry werben wollte, wurden zur Nebensache

Prinz Harry hat ein schwieriges Verhältnis zu den Medien – nicht zuletzt, weil seine Mutter Prinzessin Diana 1997 bei einem Autounfall infolge ihrer Verfolgung durch Paparazzi ums Leben gekommen war.

Es war nicht das erste Gerichtsverfahren, das der 41-Jährige gegen britische Medien anstrengte. Im Dezember 2023 erreichte er ein Urteil gegen den Verlag des Boulevardblatts „Daily Mirror“. Im Januar 2025 erzielte er mit den Eigentümern der Boulevardzeitung „Sun“ eine außergerichtliche Einigung.

Der in den USA lebende Harry war am Montag in London eingetroffen. Anlass des fünftägigen Besuchs sind die Vorbereitungen der „Invictus Games“ 2027 in Birmingham. Harry, selbst früher Soldat, hatte die Sportwettkämpfe für verwundete Veteranen im Jahr 2014 ins Leben gerufen. Am Dienstag absolvierte Harry denn auch einen ersten öffentlichen Termin, der jedoch angesichts des Rummels um das Gerichtsurteil etwas in den Hintergrund trat.

Zuvor hatte es schon Streitigkeiten um den Aufenthaltsort des Prinzen während seines Besuchs gegeben – eine bereits ausgesprochene Einladung zur Übernachtung im Buckingham Palace wurde wegen angeblich immer wieder wechselnder Forderungen des Prinzen dann von König Charles selbst wieder zurückgezogen.

Harry und seine Frau Meghan hatten sich 2020 im Zuge eines Zerwürfnisses mit der königlichen Familie von ihren royalen Pflichten zurückgezogen und Großbritannien den Rücken gekehrt. Die Familie lebt heute in Meghans Heimat Kalifornien.