Münster – Nächster Rückzug aus der aktiven Politik bei Jens Spahn (46). Im Juli war der CDU-Politiker als Vorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag zurückgetreten. Jetzt will er auch den Vorsitz seines CDU-Bezirksverbands abgeben. „Ich habe mich entschieden, nicht erneut für den Vorsitz der CDU-Münsterland zu kandidieren“, sagte er den „Westfälischen Nachrichten“. Noch im Juli hatte Spahn erklärt, wieder antreten zu wollen.
Kurz danach machten der CDU-Politiker und sein Mann Daniel Funke (45) öffentlich, mithilfe einer Leihmutter in den USA Eltern geworden zu sein. Die Nachricht löste eine heftige Debatte aus, denn Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten. Die CDU lehnt eine Legalisierung seit Jahren strikt ab. Auch Spahn selbst hatte sich noch wenige Monate zuvor gegen eine Freigabe ausgesprochen. Der Druck in der eigenen Partei wuchs daraufhin massiv. Am Ende zog Spahn die Konsequenzen und trat als Fraktionschef zurück. Sein Bundestagsmandat behielt er jedoch.
An die Spitze des CDU-Bezirks Münsterland war der Politiker aus Ahaus nahe der niederländischen Grenze vor zwei Jahren gewählt worden. Er löste damit NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (69) ab, der den Posten 21 Jahre lang innehatte und nicht mehr angetreten war. Die Neuwahl des Bezirksvorstandes ist am 15. September.
Rücktritt nach langer Skandal-Liste
Im Laufe seiner politischen Karriere leistete sich Jens Spahn immer wieder Ausrutscher. Besonders heftig wurde die milliardenschwere Maskenbeschaffung während der Corona-Pandemie kritisiert, bei der Spahn als Gesundheitsminister in einem undurchsichtigen Verfahren Masken kaufte. Für Wirbel sorgten außerdem ein Spendendinner inmitten der Hochphase der Pandemie, Fragen zur Finanzierung seiner Villa sowie enge Kontakte zu Unternehmern und Lobbyisten.
Spahns Rücktritt löste eine Personal-Rochade innerhalb der Regierung und der CDU aus. Mittlerweile ist Ex-Kanzleramtschef Thorsten Frei (53) Fraktionsvorsitzender der Union.