Berlin – Es ist einer der größten Schuldenschübe in der Geschichte der Bundesrepublik. 204 Milliarden Euro neue Schulden allein für 2027, mehr als eine Billion bis 2030. Milliarden für Straßen, Schienen, Verteidigung, Klima. Finanzminister Lars Klingbeil (48, SPD) verspricht damit nichts weniger als eine Modernisierung Deutschlands.

Doch die mächtigen Ratingagenturen, die Deutschlands Kreditwürdigkeit bewerten, sehen ein Problem. In einer Einschätzung für BILD zum neuen Haushalt warnt die Ratingagentur Scope: Die Milliarden könnten zum zentralen Risiko für Wachstum und Staatsfinanzen werden, wenn sie nur alte Ausgaben ersetzen oder wenn Projekte zu langsam umgesetzt werden.

Analystin Elena Klare sagt zu BILD, entscheidend sei, ob die Investitionen wirklich zusätzlich seien und schnell ankämen. Im Klartext: Wenn Projekte in der Bürokratie versanden und Baustellen jahrelang stillstehen, verpufft Klingbeils Schuldenpaket, ohne dass die Wirtschaft anspringt.

Warum das für uns wichtig ist

Ratingagenturen sind der TÜV für Staatsfinanzen. Deutschland hat die Bestnote AAA. Die haben weltweit nur wenige Länder, in Europa unter anderem die Niederlande, Dänemark und die Schweiz. Verliert Deutschland sie, wird jede neue Anleihe teurer, weil Investoren einen Risikoaufschlag verlangen. Am Ende zahlen die Steuerzahler die Rechnung.

Scope betont: Eine stabile Schuldenquote sei entscheidend, um Deutschlands finanzielle Handlungsfähigkeit und das AAA-Rating langfristig zu sichern. Die Ratingagentur hält am AAA fest, Deutschland habe weiter „ausreichend finanziellen Spielraum“. Doch Scope prognostiziert einen deutlichen Anstieg der Schuldenquote von 63,5 Prozent 2025 auf rund 72 Prozent bis 2030 und rund 81 Prozent bis 2036. Das Rating könnte fallen, wenn die Schuldenquote dauerhaft steigt oder das Wachstum deutlich schwächer ausfällt.

Auch die US-Riesen sehen Probleme

Auch S&P Global, Moody's und Fitch warnen und verweisen auf ihre Deutschland-Berichte. S&P: Eine Herabstufung wäre möglich, wenn Klingbeils Programm das Wachstum nicht spürbar anschiebt. Moody's warnt: Das Infrastruktur- und Verteidigungspaket könnte zu langsam umgesetzt werden – und Milliarden im laufenden Staatsbetrieb versickern. Fitch bestätigte das AAA zuletzt Mitte Mai, warnt aber ebenfalls vor steigender Schuldenlast und schwächerem Wachstum.