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Ende der Fahnenstange! Sicherheitsexperte Nico Lange (51) hat bei Caren Miosga (57) die Bundesregierung jetzt noch energischer aufgefordert, endlich härter auf die immer gefährlicheren Hybridangriffe Russlands – wie zuletzt auf den Leipziger Flughafen – zu antworten. „Wir haben eine große Schwäche“, warnte der Direktor des renommierten Instituts für Risikoanalysen, denn „wir verursachen keine Kosten auf der anderen Seite. Man kann uns angreifen, nicht nur mit Cyberangriffen, Spionage und Sabotage, sondern auch mit offener und verdeckter Korruption. Wir gucken hinterher und sagen, das ist aber schlimm, aber wir sagen der anderen Seite nicht: Macht das nicht, das hat Folgen für euch!“

Lange spricht fließend Russisch und studierte in St. Petersburg an der gleichen Universität wie einst Putin. Zur Ankündigung von Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU), die Urheber des mutmaßlichen Anschlagsversuchs „werden dafür bezahlen“, sagte Lange: „Man kann den Kanzler nur ermutigen, das jetzt umzusetzen. Vielleicht ist das ein Moment des Aufwachens, dass wir genauer hingucken, ein Moment der Wahrheit, wo man sagt: Wir lassen uns das nicht mehr gefallen. Wir müssen uns endlich wehren!“

„Das Muster deutet auf Russland hin“

„Das Kennzeichen der hybriden Kriegsführung aus Russland“, so der Experte weiter, „ist, dass man das nicht mit den eigenen Streitkräften macht. Man darf sich das nicht so vorstellen wie im Film, dass da jemand mit einer Pelzmütze und einem roten Stern darauf irgendwo eine Bombe legt.“ Aber: „Das Muster nicht nur bei uns, sondern in ganz Europa deutet auf Russland hin. Ich finde es merkwürdig, von ‚fremden Mächten‘ zu sprechen, als wüssten wir nicht, mit wem wir es zu tun haben.“

Lange warnte vor einer Illusion, „dass, wenn wir das lückenlos beweisen, Russland sagt: O.k., wir waren das. Russland wird immer sagen: Wir waren das nicht. Das ist ja gerade der Witz an diesen Methoden, dass man das immer abstreiten kann. Wenn man nicht für Klarheit sorgt, hat die andere Seite die Möglichkeit, alle möglichen Geschichten in die Welt zu setzen.“

Keine Botschaft der Abschreckung

Die eindringliche Forderung des Experten: „Wir müssen uns ändern beim Umgang mit dieser hybriden Bedrohung.“ Sie habe sich seit Jahren immer mehr ausgeweitet, „auch weil wir keine Botschaft der Abschreckung geschickt haben“. Auch deshalb sei er froh über die Reise des CIA-Chefs John Ratcliffe (60) nach Moskau, „weil dieser Besuch im Zusammenhang steht mit sehr umfangreichen Übungen der Nato im Ostseeraum, bei denen militärische Fähigkeiten zum Einsatz gekommen sind, die man selten oder noch gar nicht gesehen hat. Zum Beispiel ein sehr modernes amerikanisches Flugzeug zur elektronischen Kampfführung. Das hat so Stadionrunden geflogen, direkt neben Kaliningrad, sehr dicht an der Grenze.“

„Ich finde es richtig, die Botschaft zu senden, wir können, und das ist, was wir tun werden, wenn wir müssen“, kommentierte Lange das Flugmanöver. „Man könnte die Luftverteidigungssysteme, die Raketensysteme in Kaliningrad blind machen, die Elektronik ausschalten.“ Man müsse „mit diesen sehr, sehr brutalen Akteuren auf der anderen Seite auch mit einer gewissen Abgebrühtheit umgehen“. Auch der deutsche Taurus sei nach wie vor eine Option.

„Es gibt eine zunehmende Kriegsmüdigkeit auch in Teilen der russischen Elite“, berichtete Analystin Hanna Notte (38) dazu. „Der Krieg kommt näher heran, und es entsteht (in der Bevölkerung) ein Gefühl, dass Russland an einem Scheideweg steht: Putin muss entweder einen Deal machen oder eskalieren.“ Für Ex-Kanzleramtsminister Wolfgang Schmidt (55, SPD) droht dem Kriegstreiber im Kreml inzwischen sogar Gefährlicheres: „Es gibt keinen friedlichen Diktatoren-Ruhestand“, warnte er. „Putin muss immer weitermachen, weil für ihn die Frage, wenn er aufgibt, nicht so ganz einfach zu beantworten ist.“