TTS-Player überspringenArtikel weiterlesen

Moskau – Ausgerechnet im Öl-Land Russland wird Tanken zum Luxus! Ein Video von einer Tankstelle auf der russisch besetzten Krim sorgt derzeit für Aufsehen: Auf einer Zapfsäule werden 330 Rubel pro Liter angezeigt. Umgerechnet sind das rund 3,80 Euro – fast vier Euro für einen einzigen Liter Benzin.

Eine Tankfüllung mit 50 Litern würde damit 16.500 (ca. 188 Euro) Rubel kosten. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Monatslohn in Russland lag zuletzt bei 109.052 Rubel (ca. 1244 Euro). Einmal volltanken würde damit mehr als 15 Prozent eines Monatslohns verschlingen. Dabei dürfen viele Russen ihre Autos ohnehin nicht volltanken – in vielen Regionen gilt ein Limit von 20 Litern pro Tankvorgang.

Die Preise explodieren

Auch die offiziellen Zahlen zeigen: Benzin wird in Russland immer teurer. Nach Angaben der staatlichen Statistikbehörde stiegen die Spritpreise allein im Juni um 6,88 Prozent, im Vergleich zum Vorjahr sogar um 19,9 Prozent. Reuters berichtete zudem von besonders stark betroffenen Regionen, in denen Tankstellen bereits umgerechnet 2,42 Dollar (rund 2,12 Euro) pro Liter verlangten – und sich damit dem im Krim-Video gezeigten Rekordpreis von 3,80 Euro pro Liter annähern.

Die Folgen sind vielerorts längst sichtbar. In sozialen Netzwerken kursieren Videos von kilometerlangen Warteschlangen vor Tankstellen. Andere Aufnahmen zeigen Schlägereien und Rangeleien zwischen Autofahrern, die um die letzten verfügbaren Liter Benzin streiten oder sich beim Anstehen vordrängen.

Bauern fürchten um die Ernte

Die Krise trifft längst nicht mehr nur Autofahrer: Besonders groß ist die Sorge in der russischen Landwirtschaft. Sie warnen, dass Diesel immer schwerer zu bekommen sei, und befürchten, ihre Ernte nicht rechtzeitig einbringen zu können. Fällt während der kurzen Erntesaison der Treibstoff aus, stehen Mähdrescher, Traktoren und Lastwagen still. Für viele Betriebe könnte das erhebliche Ernteverluste bedeuten.

Ukraine setzt Putins Ölindustrie unter Druck

Als Hauptursache gilt die Welle ukrainischer Drohnenangriffe auf die russische Energie-Infrastruktur. Seit Monaten nimmt Kiew gezielt Raffinerien, Tanklager und andere Anlagen der Ölindustrie ins Visier – mit dem Ziel, Russlands wichtigste Einnahmequelle für den Angriffskrieg gegen die Ukraine zu treffen. Zwischen Januar und Juli 2026 griff die Ukraine mehr als 40 russische Raffinerien mindestens einmal an. Sogar die größte Raffinerie des Landes im sibirischen Omsk blieb nicht verschont: Ukrainische Drohnen flogen mehr als 2500 Kilometer durch den russischen Luftraum und trafen die Anlage.