Düsseldorf – Dieser Ärger kam schneller als mancher Brief: Am Montag stellte die SPD in Nordrhein-Westfalen ihre Kampagne zur Landtagswahl vor und zeigte auch einen Malocher-Film im Ruhrpott-Slang. Darin zu sehen: eine Briefträgerin bei der Arbeit. Problem: Die Frau wusste von nichts, die Post auch nicht. Mutterkonzern DHL will jetzt, dass die SPD die Postbotin aus dem Wahlwerbespot schneidet. Die Partei spricht von einem Fehler – und entschuldigt sich.
Hintergrund: Die SPD liegt in Umfragen in NRW weit hinter der CDU von Ministerpräsident Hendrik Wüst (51, CDU). Die Sozialdemokraten inszenieren ihren Spitzenkandidaten Jochen Ott (52) daher als „Anti-Wüst“, der ganz nah am Arbeiter ist.
Dazu passt der Werbespot „Was wissen die?“. Der Film nimmt die CDU von Kanzler Friedrich Merz (70, CDU) aufs Korn. Die ersten Sätze, im Ruhrpott-Slang: „Was wissen die? Die, die sagen: ‚Ihr seid zu faul, ihr arbeitet zu wenig.’“ Dann sieht man Menschen im Job. Keiner ist im Büro, alle hämmern, schweißen, stehen an ihrem Marktstand. Viele schauen direkt in die Kamera – die Briefträgerin nicht. Sie wurde offenbar gefilmt, ohne es zu merken.
Laut DHL fiel die Frau aus allen Wolken, als man sie konzernintern gefunden und kontaktiert hatte. Weder die SPD noch die zuständige Werbeagentur hätten um Erlaubnis gefragt, so ein DHL-Sprecher zu BILD: „Wir haben die SPD aufgefordert, die Szene mit der Mitarbeiterin aus dem Video zu entfernen.“ Fakt ist: Die Post ist unpolitisch und neutral. Sie hätte nie bei dem Wahlwerbespot mitgemacht, wenn man sie vorher gefragt hätte.
Und noch jemand ist sauer
In dem knapp dreiminütigen Film taucht außerdem ein Fahrer des Lebensmittel-Lieferdienstes „Flink“ auf. Man sieht ihn von hinten, wie er dick bepackt durch eine Stadt radelt. Auch in diesem Fall wusste das Unternehmen von nichts. Ein Sprecher zu BILD: „Der Einsatz unseres Markenauftritts in dem Wahlkampfspot war nicht mit uns abgesprochen. Flink nimmt keine Stellung zu politischen Kampagnen und unterstützt keine Parteien.“
Ein Sprecher der NRW-SPD sagte BILD: „Der Film wurde von einer externen Produktionsfirma umgesetzt. Mehr als 60 Menschen aus NRW haben ihr Einverständnis gegeben, darin gezeigt zu werden. Bei wenigen Szenen, in denen Personen nur kurz am Bildrand zu sehen waren, lag keine Einwilligung vor, was ein Fehler war, für den wir uns entschuldigen. Wir haben die Szenen entfernt, der Film läuft ohne sie weiter.“