Polen entzieht Wolodymyr Selenskyj höchsten Landesorden
Polens Präsident Karol Nawrocki hat dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj den Orden des Weißen Adlers aberkannt. Das teilte Nawrocki in einer Videobotschaft mit. Der Orden des Weißen Adlers ist die höchste Ehrung des Landes Polen.
Anlass für die Aberkennung ist die Benennung einer ukrainischen Armee-Einheit nach der Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA). Diese verübte während des Zweiten Weltkriegs Massaker an polnischen Menschen in der Region Wolhynien, bei denen nach historischen Schätzungen bis zu 100.000 Menschen getötet wurden.
Die ukrainische Regierung verurteilte die Aberkennung des Ordens als »respektlos« und »strategischen Fehler«. Polen zählt zu den wichtigsten militärischen und humanitären Unterstützern der Ukraine im Abwehrkrieg gegen Russland.
Der ukrainische Präsidialamtschef Kyrylo Budanow kündigte an, eine staatliche Auszeichnung Polens ebenfalls zurückzugeben. Er verzichte auf das Goldene Offizierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen, mit dem er im vergangenen Jahr ausgezeichnet worden sei, teilte Budanow mit. Er sprach von einer »unfreundlichen Geste« Nawrockis gegenüber dem ukrainischen Volk und einem »Geschenk« an den Aggressor Russland.
Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk rief zur Besonnenheit auf. Es sei die Aufgabe des ukrainischen und des polnischen Präsidenten, die Gemüter zu beruhigen statt Spannungen zu schüren, sagte Tusk.
Bereits seit Jahren diplomatischer Konflikt
Die Benennung der ukrainischen Armee-Einheit nach der UPA hatte Ende Mai zu einem diplomatischen Konflikt zwischen Polen und der Ukraine geführt. Die UPA galt als militärischer Arm der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN), deren Mitglieder im Zweiten Weltkrieg zeitweise mit dem nationalsozialistischen Deutschland kollaborierten.
In der Ukraine werden Teile der OUN und UPA heute als Teil der nationalen Unabhängigkeitsbewegung geehrt, während die historische Bewertung in Polen und der Ukraine weiterhin zu Spannungen führt. Bereits 2024 hatte die Aufarbeitung des Massakers von Wolhynien diplomatische Differenzen zwischen beiden Ländern ausgelöst.