Cochstedt (Sachsen-Anhalt) – Verdächtige Drohnen über Flughäfen, Bundeswehrstandorten und Energieanlagen sorgen immer häufiger für Alarm. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs wächst zudem die Angst vor Spionage und Sabotage aus Putins Russland. Auf dem Flugplatz Cochstedt, von dem einst sowjetische Kampfjets starteten, sucht Deutschland nun nach Antworten auf diese Bedrohung. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (56, CSU) eröffnet dort am Dienstag ein neues Technologiezentrum für Drohnensicherheit.
Eine Drohne zu entdecken, ist das eine. Sie zu stoppen, das andere. Über Flughäfen, Industrieanlagen oder Menschenmengen kommt ein Abschuss meist nicht infrage. Deshalb wird in Cochstedt an Technologien geforscht, die verdächtige Drohnen erkennen, verfolgen und kontrolliert unschädlich machen können.
Der Schattenkrieg des 21. Jahrhunderts
„Wir sind täglich Zielscheibe von hybriden Angriffen“, sagte Dobrindt zur Eröffnung. Wer Deutschland ins Visier nehme, ziele letztlich auf ganz Europa. Das neue Zentrum solle helfen, das „Wettrüsten zwischen Drohnenabwehr und neuen Angriffstechnologien“ zu gewinnen. Der Innenminister sprach vom „Schattenkrieg des 21. Jahrhunderts“.
Wie groß die Gefahr ist, zeigte sich erst vor wenigen Tagen am Flughafen Leipzig/Halle. Dort wurde eine mit Sprengstoff bestückte Drohne entdeckt. Die Bundesanwaltschaft sprach von einem „schwerwiegenden Angriff auf die Transport- und Logistikinfrastruktur in Deutschland“. Ziel solcher Angriffe sei es, das Vertrauen der Bürger in die Handlungsfähigkeit des Staates zu erschüttern, so Dobrindt. Aktuelle Zahlen belegen das Problem: 2025 wurden an deutschen Flughäfen 116 relevante Drohnen-Störungen registriert – der wirtschaftliche Schaden wird auf rund 60 Millionen Euro geschätzt.
Oft nur noch acht bis zwölf Wochen Zeit
Cochstedt ist Teil eines größeren Abwehrkonzepts – neben einer Drohnenabwehreinheit der Bundespolizei und einem gemeinsamen Drohnenabwehrzentrum von Bund und Ländern. Dobrindt sprach von der „dritten Säule“ der deutschen Drohnenabwehr. Denn das Wettrüsten zwischen Drohnenabwehrtechnik und Abwehrüberwindungstechnik werde immer schneller. Zwischen neuer Angriffstechnik und passenden Gegenmaßnahmen lägen oft nur acht bis zwölf Wochen. Forschung und Entwicklung müssten deshalb deutlich zulegen.
Gemeinsam mit dem DLR-Standort Braunschweig entsteht in Cochstedt eine bundesweit einzigartige Forschungsinfrastruktur für Drohnensicherheit. Für Forschungsministerin Dorothee Bär (48, CSU) ist der Standort ein „Leuchtturm für Drohnenforschung“. Neue Technologien müssten schneller getestet und in die Praxis gebracht werden. „Mit diesem Zentrum sorgen wir für den Schutz der Menschen in diesem Land“, sagte die Ministerin.