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Teheran – Ihre Stimme bricht fast. „Ich bin ein unschuldiges Mädchen, ein junger Mensch mit so vielen Hoffnungen und Träumen“, sagt Naschmeh Amini (23). Ihre Sprachnachricht wurde heimlich aus dem Gefängnis geschmuggelt und gelang nur so an die Öffentlichkeit. Aufgenommen wurde sie am 18. September – zwei Tage, nachdem ein Gericht der iranischen Mullah-Justiz sie zum Tode verurteilt hatte. Jetzt kommt raus: Kurz danach wurde das Todesurteil vollstreckt. Naschmeh ist tot – hingerichtet.

„Grüße an das iranische Volk“, hatte sie in ihrer Sprachnachricht gesagt. „Ich versuche heute nicht, mich als Heldin darzustellen; ich bitte nur um eines: Seid meine Stimme.“ Sie habe Eltern, die auf sie warten – eine Familie, die jeden Morgen in der Angst aufwacht, mich zu verlieren.

„Ich will nur Gerechtigkeit“

„Wenn meine Stimme nach draußen dringt, hört sie euch bitte nicht nur für einen Moment an, um sie dann wieder zu vergessen!“, flehte sie. „Ich will nur Gerechtigkeit und die Möglichkeit, mich zu verteidigen. Ich bitte Anwälte, Rechtswissenschaftler, Menschenrechtsaktivisten und alle, die die Stimmen unschuldiger Menschen hören, meine Gerichtsakte zu prüfen.“

Und weiter: „Ich bitte internationale Menschenrechtsorganisationen und die zuständigen Gremien der Vereinten Nationen, meine Stimme zu hören sowie den Stand meines Falls zu untersuchen und zu verfolgen. Merkt euch meinen Namen. Vielleicht werde ich nie wieder sprechen können. Doch solange ich lebe, hege ich eine Hoffnung: dass ich, bevor der Strick meinem Leben ein Ende setzt, meinen Iran in Wohlstand und Freiheit erlebe“.

Naschmeh hatte Rechnungswesen in Maschhad, Irans zweitgrößter Stadt, studiert. Im Januar ging sie mit Hunderttausenden auf die Straße – gegen Wirtschaftskrise und Mullah-Herrschaft. Am 31. Januar wird sie im Basarviertel festgenommen, laut Menschenrechtlern brutal geschlagen. Auch Instagram-Storys über die Proteste sollen ihr zum Verhängnis geworden sein.

Dann der Albtraum: rund drei Monate Einzelhaft im berüchtigten Wakilabad-Gefängnis, Druck für ein erzwungenes Geständnis, kein Anwalt ihrer Wahl. Erst gibt es zwölf Jahre, sechs Monate und einen Tag Haft – dann das Todesurteil wegen „Beleidigung des Propheten“.

Die Henker des Iran-Regimes arbeiten weiter im Akkord

Ihr Schicksal ist kein Einzelfall. Bei der Niederschlagung der Januar-Proteste wurden Zehntausende getötet und festgenommen – das blutigste Vorgehen in der Geschichte der Islamischen Republik. Das Regime selbst räumt über 3000 Tote ein, die meisten von ihnen in nur zwei Nächten am 8. und 9. Januar von ihren Schergen umgebracht.

Und die Henker arbeiten weiter im Akkord: Von Januar bis August zählte die Organisation Iran Human Rights mindestens 532 Hinrichtungen, darunter 31 Demonstranten. Ein anderes Menschenrechtszentrum kommt sogar auf über 900 Exekutionen in nur sieben Monaten – die meisten in Naschmehs Heimatprovinz Razavi-Chorasan. Hunderte Demonstranten warten laut Aktivisten auf ihre Hinrichtung.

„Alle Hinrichtungen haben einen klaren Zweck: Angst zu verbreiten und neue Proteste zu verhindern“, sagt IHR-Direktor Mahmood Amiry-Moghaddam.

Naschmeh blieb eine letzte Hoffnung: Bevor der Strick ihr Leben beendete, wollte sie ein freies Iran sehen.