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Gary – Fast zwei Wochen nach einem verheerenden Unwetter im Mittleren Westen der USA sind in der Stadt Gary (US-Bundesstaat Indiana) noch immer Zehntausende Menschen ohne Strom. Am 11. August fegten Gewitter, Tornados und Starkregen über Teile von Indiana und die Region Chicago. Sieben Menschen kamen ums Leben. Besonders hart traf es Gary, eine frühere Industriestadt am Michigansee. Windböen von bis zu 159 km/h rissen Bäume und Stromleitungen um, Straßen, Leitungen und Gebäude wurden schwer beschädigt.

„Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie einen solchen Sturm gesehen. Niemals, niemals“, sagte Terry Dubios dem Sender BBC. Die 77-Jährige wird von Freunden mit haltbaren Lebensmitteln versorgt. Ihr Sohn besorgte ihr eine Powerbank, damit sie ihr Handy aufladen kann. Wann sie wieder ein halbwegs normales Leben führen kann, ist unklar. Das Ausmaß der Stromausfälle ist gewaltig. Nach Angaben des Stromversorgers NIPSCO waren zeitweise rund 374.500 Kunden betroffen. Zwar konnte für die meisten Anschlüsse die Versorgung inzwischen wiederhergestellt werden, doch selbst zwölf Tage nach dem Unwetter waren noch immer fast 30.000 Haushalte ohne Strom.

So hart trifft der Blackout die Bewohner

Für die Bewohner hat das dramatische Folgen: Tankstellen, Supermärkte und Apotheken sind dicht. Viele Menschen mussten mit den Vorräten auskommen, die sie noch zu Hause hatten. Mit zunehmender Dauer des Blackouts kamen neue Probleme hinzu: verdorbene Lebensmittel durch fehlende Kühlung und Hygieneprobleme. Die Hilfsorganisation World Central Kitchen verteilt inzwischen Essen an Betroffene. Shatiya Hardin arbeitet seit 25 Jahren als Friseurin in Gary. Sie konnte ihren Salon seit dem Sturm nicht öffnen. Ihr Frust über den Ausnahmezustand wächst. Hardin: „In Gary befinden wir uns ständig im Überlebensmodus.“ Besonders schwer trifft es ältere und kranke Menschen. US-Medien berichten von einem Rollstuhlfahrer, der wegen ausgefallener Aufzüge die Treppen seines Hauses hinunterkriechen musste. Nachts liegen ganze Straßenzüge im Dunkeln, weil die Straßenbeleuchtung ausgefallen ist.

Vorwurf gegen den Stromversorger

Die Wut richtet sich zunehmend gegen den Stromversorger NIPSCO. Eine Sammelklage wirft dem Unternehmen vor, Bäume entlang der Leitungen nicht ausreichend zurückgeschnitten zu haben. Umgestürzte Bäume gelten als eine der Hauptursachen für die massiven Schäden am Stromnetz. NIPSCO weist die Vorwürfe zurück und betont, die Ausgaben für das Zurückschneiden von Bäumen und Sträuchern seit 2016 mehr als verdoppelt zu haben. NIPSCO meldet zwar kontinuierliche Fortschritte bei den Reparaturen, doch wie lange der Stromausfall noch andauert, ist offen.