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Baruipur (Indien) – Ein Mädchen (11) geht Samstagabend zur Geburtstagsfeier ihrer Freundin. Was dem Kind danach widerfährt, ist an Grausamkeit kaum zu überbieten. Auf dem Rückweg wird die Elfjährige von vier Männern entführt und vergewaltigt. Anschließend stecken die Täter ihren kleinen Körper in einen Sack und werfen das Mädchen bei lebendigem Leib in einen Teich.

Einen Tag später – am 5. Juli 2026 – wird die Kinderleiche in einem Gewässer im indischen Ort Baruipur im Bundesstaat Westbengalen gefunden. Der Körper weist zahlreiche Verletzungen auf – darunter Bissspuren und Prellungen. Der Vater (46) musste mit ansehen, wie seine tote Tochter aus dem vermüllten Teich gezogen wurde. „Mein Kopf funktioniert nicht. Ich kann seit Tagen nicht mehr klar denken“, sagte der Vater des Mädchens gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Polizei erschießt Verdächtigen

Die Polizei nahm vier Verdächtige fest. Einer der mutmaßlichen Täter wurde bei einem Gefecht mit den Beamten getötet. Er entriss einem Polizisten die Dienstwaffe und wurde daraufhin von einem weiteren Beamten erschossen.

Nach Angaben der Familie hätte eine schnellere Reaktion der Polizei das Leben des Mädchens möglicherweise retten können. Der Vorwurf: Die Ermittler seien nach der Vermisstenmeldung kaum aktiv geworden. Anwohner sahen sich währenddessen selbst Überwachungsvideos an, um Hinweise zu finden. „Abgesehen davon, dass die Polizei einige Anwohner nach ihrem Aufenthaltsort befragte, unternahm sie nicht viel“, sagte ein enger Freund der Familie gegenüber Reuters.

Protestwelle nach Vergewaltigung

Der Mord an der Elfjährigen löste Proteste in ganz Indien aus, die in schweren Ausschreitungen endeten. Dabei sei eine unschuldige Person von einer aufgebrachten Menge gelyncht worden, teilte die Polizei mit. Bislang seien 35 Personen wegen Gewalt und Vandalismus festgenommen worden. Die Behörden haben in Baruipur sowie den benachbarten Orten Sonarpur und Narendrapur Versammlungsbeschränkungen verhängt, um weitere Ausschreitungen zu verhindern. Ein Großaufgebot an Sicherheitskräften wurde eingesetzt, um die Lage unter Kontrolle zu halten.

Nach der Gruppenvergewaltigung einer Studentin in Neu-Delhi 2012 verschärfte Indien die Gesetze. Doch Aktivisten und Experten sagen: Die Lage hat sich kaum verbessert. Als Ursachen werden unter anderem tief verwurzelte patriarchale Gesellschaftsstrukturen, Frauenfeindlichkeit, personell schwach besetzte Polizeibehörden sowie langwierige Gerichtsverfahren genannt. Viele Täter gehen davon aus, einer Bestrafung entgehen zu können. Zudem würden viele Sexualstraftaten aus Angst vor Ausgrenzung gar nicht erst angezeigt.

Höchststand bei Straftaten an Kinder

Laut offiziellen Daten werden in Indien täglich rund 80 Vergewaltigungen bei der Polizei registriert. Im Jahr 2024 wurden 29.536 Vergewaltigungsfälle erfasst. Die Zahl der Straftaten an Kindern erreichte mit 69.191 Fällen nach dem indischen Kinderschutzgesetz einen Höchststand. Erst am Montag berichtete die „Times of India“ von der Vergewaltigung und dem Mord an einer Siebenjährigen. Ihre Leiche wurde nach der Tat in einen leeren Schacht geworfen.