TTS-Player überspringenArtikel weiterlesen

Ihr haltet mich vielleicht für verrückt, aber ich fahre oft Zug. Neulich von Fulda nach Berlin. Viele Sitze waren aus unbekanntem Grund mit rotem Flatterband abgesperrt, damit sich niemand hinsetzen konnte. Sogar in der 1. Klasse! Ich fahre ja eh 2. Klasse.

Im Speisewagen durfte man sich setzen. Aber es gab keinen Strom, also weder Geschirr noch Kaffee noch Kühles. Manche Türen nach draußen funktionierten. Andere nicht mehr. Welche Pforten in die Freiheit sich am Bahnhof zum Aussteigen öffnen ließen und welche nicht, musste man selber herausfinden. Viel Zeit dazu war nicht. Das war also ein lustiges Gerenne und Gepolter an den Bahnhöfen.

Das kennt man inzwischen.

Die Stimmung hat sich geändert in den deutschen Zügen. Alle wissen schon vor der Fahrt, was an Crazyness auf sie zukommen könnte. Es ist eine Art Komplizenschaft entstanden zwischen Euch Mitarbeitern und uns Passagieren. Ey – wir alle sind Opfer! Keiner hier im Zug kann was dafür. Ihr seid fast immer total nett und wir lachen gemeinsam über diese ganze Scheiße.

Die Stimmung ist gut. Es ist, wie es ist. Wir sind die verlorenen Kinder von Shithole Country.

Und Ihr seid Helden. Ihr kämpft auf verlorenem Posten und gebt nie auf. Ich wollte Euch endlich mal „Danke“ sagen, Ihr tapferen Mitarbeiter der Bahn.

Harald Martenstein

Haben Sie eine Meinung zu dieser Kolumne? Hier können Sie Harald Martenstein eine Mail schreiben.