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„Mayo für Sam“, klingt im Deutschen wie die Freibadbestellung einer Mutter für ihren achtjährigen Sohn. Genauso alt war Joe Biden, als der wohl wirkungsvollste Fluch der modernen Sportsgeschichte ausgesprochen wurde. 75 Jahre später gratulierte nun der ehemalige US-Präsident mit dem Schlachtruf „Mayo for Sam“ der Grafschaft (County) Mayo zum Sieg in der All-Ireland-Meisterschaft, dem wichtigsten Titel im Gaelic Football, und damit dem Gewinn des Sam Maguire Cups.

Warum aber gratuliert ein Ex-US-Präsident ebenso wie der aktuelle kanadische Premierminister Mark Carney oder der englische Oasis-Sänger Liam Gallagher zum Sieg in einer Sportart, die quasi ausschließlich im kleinen Irland (5,4 Millionen Einwohner) gespielt wird? Biden war – wie so viele Irland-Besucher vor und nach ihm – 2023 bei einem Besuch der Legende vom Fluch von Mayo erlegen.

Die Geschichte einer der irrsten Niederlagenserien begann am 23. September 1951 mit dem Sieg von Mayo im All-Ireland gegen das County Sligo und der damit dritten Meisterschaft. Auf der Heimreise sollen die Spieler von Mayo ausgelassen gefeiert und bei der Fahrt durch das kleine Dorf Foxford einem traditionellen irischen Trauerzug nicht den nötigen Respekt erwiesen haben. Dazu muss man wissen: Beerdigungen haben in Irland eine höhere Bedeutung als in Deutschland, sie sind mehr als nur ein stiller Trauerakt.

Das wilde Feiern der Spieler aus Mayo wiederum soll einen Priester – in manchen Versionen der Legende auch einen Angehörigen des Verstorbenen – so verärgert haben, dass er den Fluch aussprach: Mayo werde keine weitere All-Ireland-Meisterschaft gewinnen, solange noch ein Mitglied der Siegermannschaft von 1951 am Leben sei.

Auch wenn die Geschichte den Recherchen von Historikern und irischen Medien nicht wirklich standhält: Mayo, jahrzehntelang eine der stärksten Mannschaften des Landes, scheiterte immer wieder kurz vor dem größten Erfolg. Elfmal standen sie zwischen 1951 und 2026 im Finale. Und verloren jedes einzelne Mal. Einige Niederlagen kamen mit nur einem Punkt Unterschied zustande, andere nach Wiederholungsspielen oder in der letzten Minute.

Der Mythos wurde zusätzlich dadurch genährt, dass der letzte noch lebende Spieler der Meistermannschaft von 1951 erst 2023 starb (ein Bankspieler; der letzte aktive Spieler starb 2021). Am 26. Juli 2026 – dem ersten Finale von Mayo seit 2021 – war es dann gegen Vorjahressieger Kerry so weit: Vor 82.000 Zuschauern in Dublins Croke Park setzte sich Mayo in einem dramatischen Finale knapp durch. Anders als in den vielen verlorenen Endspielen hielt die Mannschaft dem Druck des Gegners stand und verteidigte den knappen Vorsprung bis zum Schlusspfiff.

Der Artikel wurde für das Sport-Kompetenzcenter („WELT“, BILD, SPORT BILD) erstellt und zuerst bei „WELT“ veröffentlicht.