Was soll der Mensch der KI noch überlassen? Microsoft-Gründer Bill Gates (70) sieht gewaltige Chancen – warnt aber zugleich davor, dass KI Millionen Jobs überflüssig machen könnte. Deshalb fordert er Bereiche, die Menschen vorbehalten bleiben. BILD hat prominente Stimmen aus Wirtschaft, Politik und Sport gefragt: Was darf niemals eine Maschine übernehmen?
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (53, CDU):
„Die Künstliche Intelligenz kann auch im parlamentarischen Bereich Arbeit abnehmen – aber niemals die Entscheidung. Sie ist Werkzeug, aber nicht Gewissen. Und unser Grundgesetz ist hier klar: Abgeordnete sind nur ihrem Gewissen unterworfen – nicht der KI oder anderen Einflüssen.“
Digitalminister Karsten Wildberger (56):
„KI kann uns helfen, große Probleme zu lösen – in der Gesundheit, in der Wirtschaft und bei den Folgen des demografischen Wandels. Sie kann unsere Fähigkeiten enorm erweitern und Entscheidungen besser machen. Aber letztlich entscheiden und Verantwortung übernehmen muss der Mensch. Je leistungsfähiger KI wird, desto wichtiger wird menschliche Verantwortung.“
Investorin Janna Ensthaler (42, „Die Höhle der Löwen“):
„Noch sind wir in der Position, KI so zu gestalten, dass sie uns Menschen eine positive Zukunft ermöglicht. Ohne positive Vision kein positives Ergebnis. KI kann uns helfen, Krankheiten wie Krebs zu heilen, länger und gesünder zu leben, mehr Wohlstand zu schaffen – und vielleicht irgendwann zum Mars zu fliegen. Und ich habe die Hoffnung, dass wir gerade durch KI auch wieder stärker zum Menschsein finden: zu unseren Gefühlen, unserem Miteinander, unserer Fragilität – und all das vielleicht wieder viel bewusster als etwas Besonderes begreifen. Natürlich birgt KI auch Gefahren, aber wenn wir Europäer uns aus Angst verschließen, werden die USA und China diese Technologie und damit unsere Zukunft gestalten. Nur wenn wir KI selbst entwickeln und nutzen, können wir mitbestimmen, wie diese Zukunft aussieht.“
Bill Anderson (60), CEO des Chemie-Riesen Bayer:
„Künstliche Intelligenz entwickelt sich so rasant, dass derzeit kaum abzusehen ist, wohin die Reise geht. Deshalb brauchen wir einen klaren Wertekompass: KI dient dem Menschen. Nicht umgekehrt. Bei Bayer setzen wir die Technologie nicht ein, um Arbeitsplätze zu ersetzen, sondern damit unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr bewirken können. Zum Beispiel mit neuen Krebstherapien, die schneller entwickelt werden. Oder mit Ackerpflanzen, die resistenter gegen Dürre sind.“
Wolfgang Grupp Jr. (35, Trigema-Geschäftsführer):
„Ich glaube, wir dürfen keine Angst davor haben, dass KI Arbeitsplätze ersetzt. Wir kommen durch den demografischen Wandel ohnehin in eine Phase, in der uns immer mehr Arbeitskräfte fehlen werden. Gleichzeitig brauchen wir in Deutschland dringend wieder mehr Produktivität, um international wettbewerbsfähig zu bleiben und zu alter wirtschaftlicher Stärke zurückzukommen. KI und Robotik sind dafür eine große Chance.
Deshalb müssen wir diese Technologien nutzen, um Aufgaben zu übernehmen, für die uns zukünftig die Menschen fehlen, und gleichzeitig unsere Produktivität zu steigern. Entscheidend ist für mich aber, dass der Mensch immer den Überblick und die Kontrolle behält. Verantwortung darf am Ende nicht bei einer Maschine liegen.
Deshalb würde ich auch gar nicht einzelne Berufe nennen, die KI niemals übernehmen darf. Vielmehr müssen wir Unternehmer dafür sorgen, dass die Menschlichkeit im Unternehmen nicht verloren geht, Mitarbeiter rechtzeitig weitergebildet und umgeschult werden und dadurch langfristig Arbeitsplätze gesichert werden. Wir sollten KI und Robotik also nicht als Gefahr für Arbeitsplätze sehen, sondern als Chance.“
Hauke Stars (59), IT-Vorständin im Volkswagen-Konzern:
„KI ist für unsere Teams wie ein zusätzlicher Kollege. Sie hilft uns dabei, besser, schneller und einfacher zu arbeiten, und schafft Freiräume für Innovation. Denn die besten Ideen entstehen durch die Kreativität und Erfahrung von Menschen. Deshalb werden attraktive Autos bei Volkswagen auch in Zukunft von unseren Spezialistinnen und Spezialisten federführend entwickelt, gefertigt und verkauft.“
Tina Müller (57, CEO von Weleda):
„KI kann Daten analysieren, aber keine Hand halten. Sie kann in der Medizin zum Beispiel diagnostizieren, aber keinen Patienten mit Menschlichkeit und Empathie behandeln. Sie kann Prozesse massiv beschleunigen, aber sie hat keine Intuition. Meine Vision im Gesundheitsbereich: Die Maschinen übernehmen einen Teil der Analyse und Diagnose, Menschen und Ärzte konzentrieren uns auf das, worin wir gut sind: Körper, Seele und Geist zusammenzubringen. Den Menschen als Ganzes zu sehen, ihm bei der Gesundung Zuwendung und Wärme zu schenken und zu begleiten. Das kann keine KI ersetzen. Meine Vision für eine Gesellschaft mit KI: Berufe mit Herz und Hand und Kreativität bleiben menschlich. Eine Gesellschaft, die KI klug gestaltet, wird nicht ärmer an Arbeit – sie wird reicher an Sinn. Das ist keine Nostalgie, das ist Zukunftsstrategie.“
Oliver Dörre (57, CEO von HENSOLDT)
„Ich war Flugabwehroffizier. Die Entscheidung über den Waffeneinsatz traf ich in Sekunden. Heute werten unsere Sensorsysteme mithilfe von KI Daten schneller aus, als jeder Mensch es könnte. Die Entscheidung, ob eine Waffe zum Einsatz kommt, muss trotzdem ein Mensch treffen. Das gilt überall dort, wo Entscheidungen Leben verändern können. KI darf dem Menschen Arbeit abnehmen. Verantwortung nicht.“
Marcel Reif (76, Sportjournalist und Fußball-Kommentator):
„Mit KI verhält es sich wie mit dem VAR (Video Assistant Referee, der Videoschiedsrichter, Anmerkung der Redaktion) beim Fußball: Mit menschlichem Verstand vernünftig eingesetzt, ist sie ein wunderbares Hilfsmittel. Nicht weniger - allerdings auch nicht mehr kann und darf sie sein.“