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Den Haag (Niederlande) – So billig wollte ihn niemand ans Messer liefern: Seit Jahren waren 200.000 Euro auf den niederländischen Kokain-Paten Joseph Leijdekkers (35) ausgesetzt. Trotzdem konnte „Bolle Jos“ („Pummeliger Jos“) seine Drogengeschäfte ungeniert aus Sierra Leone weiterbetreiben, ist inzwischen wahrscheinlich Milliardär. Jetzt verzehnfachte die Justiz ihren Einsatz auf 2 Millionen Euro. Kopfgeld-Rekord!

2020 verlor sich die Spur des Drogenbosses. Damals reiste Jos Leijdekkers nach türkischen Medienberichten mit einem deutschen Pass unter dem Namen „Daniel Ernst“ in die Türkei ein und verschwand vom Radar der Strafverfolger. Den Ausweis hatte ihm die Kölner Stadtmitarbeiterin Vanessa P. (heute 42) besorgt.

Kokain-Pate unter Schutz von Staatspräsident

2024 tauchte er in Sierra Leone wieder auf. Als mutmaßlicher Ehemann der Tochter von Staatspräsident Julius Maada Bio (62). Offenkundig steht er unter dem Schutz des Herrschers. Er soll inzwischen einen Diplomatenpass des Landes besitzen. Aufnahmen zeigten ihn beim Neujahrsgottesdienst mit dem Staatschef und bei der Geburtstagsparty des Chefs der Einwanderungsbehörde – mit dem obersten Drogenfahnder des Landes.

Während „Bolle Jos“ in seiner Heimat und in Belgien inzwischen wegen Anstiftung zum Mord, Raub und Drogenhandel in Abwesenheit zu insgesamt 103 Jahren Gefängnis verurteilt wurde, brummt sein Geschäft. Schätzungen zufolge erzielt er mit Kokain jährliche Einnahmen von 2 Milliarden Euro. Das Vierfache der Staatseinnahmen Sierra Leones. Außerdem soll sich der Pate durch Investitionen in die legale Wirtschaft des Landes unentbehrlich gemacht haben. Kein Wunder, dass die Drohung des niederländischen Justizministers, Sierra Leone 18 Millionen EU-Entwicklungshilfe streichen zu lassen, sollte der 35-Jährige nicht ausgeliefert werden, verpuffte.

Fahnder wollen „Bolle Jos“ auf Reisen fassen

Jetzt der neue Versuch mit der Rekord-Belohnung. Auf der Most-Wanted-Seite von Europol heißt es: „Für den entscheidenden Hinweis, der zur Verhaftung von Jos Leijdekkers führt, ist eine Belohnung von 2 Millionen Euro ausgesetzt.“ Die Ermittler hoffen, dass ihnen jemand verrät, wenn er außerhalb Sierra Leones reist.

Ob die Summe reicht, um die Angst vor der Rache der Kartelle zu besiegen? In Holland ließ das organisierte Verbrechen sogar Angehörige oder Freunde von Kronzeugen töten. Leijdekkers soll etwa für die Entführung, Folter und Ermordung der Mocro-Mafia-Patin Naima Jillal (52) im Jahr 2019 mitverantwortlich sein.

Deshalb verspricht die niederländische Polizei potenziellen Informanten: „Ihre Identität wird vor allen anderen, einschließlich anderer Polizeiteams und der sierra-leonischen Behörden, geheim gehalten. So wird Ihre Anonymität gewährleistet.“