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Jerusalem – Israel stimmt erstmals seit dem Hamas-Überfall vom 7. Oktober 2023 über seine politische Zukunft ab. Drei Stunden vor Ende der Abstimmung zeichnet sich eine Rekord-Wahlbeteiligung ab. Gleichzeitig sorgen Unwetter, Prügeleien und Betrugsvorwürfe für einen unruhigen Wahltag.

Bis 16 Uhr Ortszeit hatten fast 56 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben – Rekord! Es ist der höchste Wert zu diesem Zeitpunkt seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Beteiligung liegt damit gut 8 Prozentpunkte höher als bei der Knesset-Wahl 2022. Bis 21 Uhr deutscher Zeit dürfen die Israelis noch wählen – mindestens. Am Nachmittag stellte Netanjahus „Likud“-Partei einen Antrag, um die Öffnungszeiten der Wahllokale zu verlängern.

Die Abstimmung gilt als Richtungswahl für das politisch tief gespaltene Land. Erwartet wird ein enges Rennen zwischen dem rechten Lager von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und dem Block des Mitte-Rechts-Oppositionspolitikers Gadi Eisenkot (66). Netanjahu rief die Israelis bei seiner eigenen Stimmabgabe in Jerusalem dazu auf, „richtig“ zu wählen.

Dabei macht auch das Wetter den Wählern zu schaffen. Im Süden und im Zentrum des Landes entwickelten sich Gewitter, der Wetterdienst warnte vor Sturzfluten. Die Polizei meldete mehrere Straßensperrungen im Süden. Der hohe Andrang an den Wahllokalen hielt dennoch an. Für Aufsehen sorgte dabei eine Prügelei in Rahat. Mehrere Männer gingen aufeinander los.

Letzte Umfrage: Netanjahu-Partei liegt knapp zurück

Auch verbal knallte es am Wahl-Nachmittag. Netanjahu warf der Araber-Partei „Ra’am“ vor, die Wahl „stehlen“ zu wollen. Zuvor waren nach Angaben der Wahlbehörden Personen festgenommen worden, die mutmaßlich Wähler bestechen wollten. „Ra’am“-Chef Mansur Abbas (52) ging zum Gegenangriff über: „Benjamin Netanjahu lügt und hetzt.“ Der Regierungschef wolle damit rechte Wähler mobilisieren.

Kurz vor der Wahl zeichnet sich dabei ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab: In der letzten Umfrage des Fernsehsenders „Channel 12“ lag Gadi Eisenkot mit seiner „Yashar“-Partei mit 23 Sitzen hauchdünn vorn. Die Netanjahu-Partei „Likud“ folgt mit 21 Mandaten, das Bündnis „Together“ des früheren Regierungschefs Naftali Bennett (54) kommt auf 15. Die bisherige Regierungs-Koalition kommt demnach nur noch auf insgesamt 50 der 120 Sitze. Für eine Mehrheit in der Knesset braucht es 61.