Berlin – Blamage für die Bundesregierung beim wichtigsten Wirtschaftstermin des Jahres – dem großen Investitionsgipfel in Berlin (BILD berichtete). Die Konzernbosse, die hier in Investitionslaune gebracht werden sollen, mussten teils eine halbe Stunde am Eingang warten. Das Problem: Drinnen war es zu voll. Die Top-Manager (u.a. Bayer-Vorstand Bill Anderson) stellten sich also in einer Schlange vor dem ehemaligen DDR‑Staatsratsgebäude auf. Zeitweise reichte sie bis zur Straße vor dem Humboldt-Forum.
Doch wie war es zu dem blamablen Empfang gekommen? Der Eingangsbereich des Ex-DDR-Staatsratsgebäudes (heute Sitz der Elite-Hochschule ESMT) erwies sich als übler Flaschenhals. Wer drinnen war, musste erst einmal die Taschen wie im Flughafen durchleuchten lassen und sich Bändchen abholen. Das dauerte. Und so war der Bereich irgendwann zu voll für Neuankömmlinge. Folge: Chaos und entnervte Mitarbeiter.
Draußen in der Schlange galt das Motto: Hinein kommen trotz Eingangssperre diejenigen, deren Gesichter die Sicherheitsleute kennen – oder die eine bestimmte Sicherheitsstufe haben. So schritt Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (53, CDU) mit Gefolge an der Endlos-Schlange vorbei, ebenso Finanzminister Lars Klingbeil (48, SPD), der einzelnen Wartenden die Hände schüttelte. „Ihr seid hier wohl im privilegierten Tross“, hieß es höhnisch in Richtung Klingbeil. Auch Digitalminister Karsten Wildberger (57, CDU) wurde vorbeigelassen.
Bayerns Wirtschaftsminister Blume fror draußen
Weniger Glück hatte Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume (51, CSU), der in der Kälte fror. Er hatte sich keine Jacke über das Sakko gezogen. Als Kanzler Friedrich Merz (70, CDU) mit seinem Team ankam, bestaunte er zunächst das Chaos. Drinnen entschied er mit seinem Team schnell, den Start seiner Rede zu verschieben, bis alle Investoren im Raum waren. Auch der Einlass wurde beschleunigt – das Kanzleramt übernahm hinter den Kulissen erkennbar die Regie.
Am Ende ging die Rede des Regierungschefs 15 Minuten später los als geplant. Merz kokettierte dann zum Auftakt seiner Rede damit, die Deutschen seien ja bekannt dafür, „verlässlich“ zu sein. Den Organisatoren des Investment-Gipfels dürfte angesichts der irren Blamage allerdings ein internes Donnerwetter bevorstehen.
Immerhin: Unternehmen der Initiative „Made for Germany“ haben laut Merz Investitionen in Höhe von 800 Milliarden Euro bis 2028 zugesagt, und es sollen noch mehr werden. „Wir sehen ein beschleunigtes Wachstum im Jahr 2026 trotz steigenden geopolitischen Drucks und eines Sprungs der Energiepreise“, so Merz.
Das für den Gipfel zuständige Wirtschaftsministerium ließ eine BILD-Anfrage zunächst unbeantwortet.