„Ich identifiziere mich nicht als Deutsche“, sagt Sandra Hüller
Die Schauspielerin Sandra Hüller hat offenbar ein zwiespältiges Verhältnis zu ihrem Heimatland Deutschland. „Ich persönlich identifiziere mich nicht als Deutsche. Ich würde sagen, ich sehe mich als thüringische Europäerin oder europäische Thüringerin“, sagte die international erfolgreiche Schauspielerin der „Süddeutschen Zeitung“ in einem am Dienstag online veröffentlichten Interview. Aber sie finde: „Wenn man in diesem Land geboren ist, trägt das eine Verantwortung in sich. Die kann man nicht einfach ignorieren.“
Sie werde im Austausch mit Menschen aus anderen Ländern immer wieder damit konfrontiert, dass sie Deutsche ist, sagte die 48-Jährige: „Viele Gespräche drehen sich um deutsche Politik in der Vergangenheit und in der Jetztzeit.“
Sandra Hüller, die in Suhl geboren wurde, sagte angesichts der Stärke der AfD im Freistaat, sie könne sich „nicht jedes Mal für Thüringen und irgendwelche Wahlentscheidungen rechtfertigen“. Sie sei oft dort, weil Teile ihrer Familie dort leben. „Ich weigere mich, anzuerkennen, dass da ein Schatten drüber liegt. Ich glaube, dass Thüringen mehr kann als das“, sagte sie.
In ihrem aktuellen Film verkörpert Hüller Erika Mann, die Tochter des Schriftstellers Thomas Mann. „Vaterland“ handelt von Manns Reise nach Deutschland im Sommer 1949. Der Film ist ab Donnerstag in den deutschen Kinos zu sehen.
Hüller zählt zu den international erfolgreichsten deutschen Schauspielerinnen zur Zeit. Mit dem Auschwitz-Film „The Zone of Interest“ und dem Justizdrama „Anatomie eines Falls“ wurde sie einem Publikum weit über Europa hinaus bekannt. Für ihr Rolle in Letzterem wurde sie mit dem Europäischen Filmpreis sowie als zweite deutsche Schauspielerin nach Romy Schneider mit dem französischen Filmpreis César ausgezeichnet. Außerdem erhielt sie Nominierungen für den Oscar und einen Golden Globe.