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Personal-Alarm, Putz-Panne, Zug-Nachreise und Pinkel-Stau! Hamburgs Handballer gewinnen trotz XXL-Ausfällen mit 35:30 (17:17) beim Aufsteiger in Bietigheim. Nach zuvor 3:11 Punkten endlich der erste Auswärtssieg der Opel Handball-Bundesliga!

Moritz Sauter (23, Kreuzbandriss) wird seit Wochen schmerzlich vermisst. Bitter: Auch Kapitän Elias Kofler (26, Rücken) und Torwart Leon Nowottny (21, muskuläre Probleme) stiegen am Freitag gar nicht erst in den Mannschaftsbus. Dazu trainierte Dominik Axmann (Flüssigkeit im Knie) die ganze Woche nicht, auch Abwehr-Spezialist Einar Olafsson (Adduktorenprobleme) musste kürzertreten. Beide mussten behandelt werden und reisten erst am Samstag mit dem Zug nach. Es kam noch schlimmer! Oliver Norlyk (26) knickte im Abschlusstraining um. Der Däne war zwar dabei, konnte aber nicht spielen. Top-Torjäger Nicolai Jørgensen (26, Fuß) konnte ebenfalls kaum trainieren, dafür aber zumindest spielen. Zum Glück für den HCH.

Kaum Spieler, kein reguläres Training – der HCH holte in der Not Azat Valiullin (36) erneut zurück! Trainer Torsten Jansen (49) musste viel improvisieren! Der Weltmeister von 2007 vertraute von Beginn an auf Sieben gegen sechs im Angriff. Zeitweise trainierte die Mannschaft praktisch nur zu sechst. Trotzdem setzte Jansen auf das kaum geübte System. Seine Mannschaft nahm das Risiko an, setzte den Aufsteiger extrem couragiert unter Druck und spielte diszipliniert.

Robin Haug, erstmals Kapitän, gab dem HCH wichtige Sicherheit. Martin Hövde und Jan Schmidt schufteten durch: Beide Kreisläufer mussten 60 Minuten in Angriff und Abwehr ran. Hamburg hielt dagegen, unterband das Tempospiel des Aufsteigers und brachte den Erfolg nach Hause. Jansen: „Einfach geil. Das war eine Leistung der gesamten Mannschaft. Jeder hat seinen Anteil daran, und das ist mir wahnsinnig wichtig.“ Auch die Stimmung auf der Bank hat ihn begeistert: „Das war überragend. So müssen wir es machen, und das ist der Weg.“

… der vor der Anreise nicht glattlief! Der Trainingsboden im Volkspark war falsch gereinigt worden und zu glitschig. Hamburg musste kurzfristig in eine Nachbarhalle ausweichen. Nach dem Sieg ging der Ärger weiter. Nicolai Jørgensen musste zur Dopingkontrolle, konnte aber nicht sofort pullern. Der Mannschaftsbus fuhr deshalb ohne den Dänen ab. Sportdirektor Jogi Bitter blieb bei ihm, beide mussten später nachreisen.

Jansen fluchte auf der Heimreise: „Diese Dopingkontrolle, das ist eine absolute Katastrophe, dieses Doping-System. Da gibt es systematische Doper in den Kraftsportarten, in Ausdauersportarten. Wir haben zehn Stunden Auswärtsfahrt vor uns, und dann kommen sie angeschissen und wollen auch die Auswärtsmannschaft kontrollieren. Wenn wir gegen Hannover spielen oder Berlin gegen Magdeburg, und man eineinhalb Stunden Fahrt hat, ist es okay. Aber wenn wir zehn Stunden nach Hause eiern müssen …“

Die geplante Ankunft in Hamburg: 6.36 Uhr. Jansen nutzte die lange Heimfahrt und richtete den Blick nach vorn. Er schaute im Bus den nächsten Gegner Bergischer HC an – und gönnte sich dabei ein Sieger-Bierchen.