Aßlar (Hessen) – Die schlechten Nachrichten aus dem deutschen Bäckereigewerbe nehmen einfach kein Ende. Dem nächsten Brot- und Brötchen-Riesen droht das Aus. Die bekannte Kette betreibt 59 Filialen und beschäftigt 480 Mitarbeiter – jetzt ist sie insolvent!
Die Bäckerei Moos aus Aßlar hat beim Amtsgericht Wetzlar ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung unter einem sogenannten Schutzschirm beantragt. Das Gericht hat den Antrag genehmigt und damit ein vorläufiges Insolvenzverfahren eröffnet. „Die Voraussetzungen hierfür sind, dass das Unternehmen bisher nicht zahlungsunfähig ist und positive Sanierungsaussichten vorliegen“, erklärt Kommunikationsberater Holger Voskuhl gegenüber BILD.
40 Jahre alter Familienbetrieb
Dabei bleibt die Geschäftsführung im Amt, die mit Unterstützung des Sachwalters Professor Dr. Jan Roth den 1986 gegründeten Familienbetrieb sanieren soll. Der Experte überwacht die Insolvenz. Beim Sanierungsgeschäftsführer handelt es sich um Stefan Hofherr.
So kam es zur Insolvenz der Kette
Auch die große Bäckerei-Kette aus Hessen hat mit den enorm steigenden Kosten zu kämpfen. „Rohstoffe wie Mehl und Energie, die für die Backöfen gebraucht werden, sind deutlich teurer geworden“, sagt Voskuhl. Und weiter: „Diese enormen Preiserhöhungen können wir nicht mehr in der Form an die Kunden weitergeben.“
Erst im April hatte sich der 65-jährige Bäckermeister und Firmengründer Hartmut Moos („Ohne Moos nix los“) aus der Geschäftsführung zurückgezogen, berichtet das Portal mittelhessen.de. Nur wenige Monate später steckt sein ehemaliger Betrieb in der Krise.
Wie es für das Unternehmen weitergeht
Welche wirtschaftlichen Aussichten hat die Bäckerei? „Wir prüfen gerade erst die Möglichkeiten. Für Aussagen dazu ist es noch zu früh. Wir führen verschiedene Gespräche und entwickeln einen Sanierungsplan“, so Voskuhl. Unterdessen läuft das Geschäft weiter: Produktion und Verkauf sind vorerst gesichert. Gehälter für Oktober bis Dezember werden von der Bundesagentur für Arbeit übernommen.
Immer mehr Bäckereien in der Krise
Hohe Energie-, Rohstoff- und Personalkosten sowie die Konkurrenz durch billiges Brot und Brötchen vom Discounter treffen die gesamte Branche. Aus diesem Grund wirft auch eine Familie in Niedersachsen das Handtuch. Ende Mai 2027 wird die Kiess & Krause GmbH wegen eines fehlenden Nachfolgers die Bäckerei-Kette mit 10 Filialen und 120 Mitarbeitern schließen.
Dagegen kämpft sich mit harten Einschnitten die Thüringer Traditionsbäckerei Lampe aus der Insolvenz. Die Rettung des Familienunternehmens mit einer 147-jährigen Geschichte hat aber einen hohen Preis: 15 von 44 Filialen dicht, von 280 Mitarbeitern behalten nur 150 ihre Jobs.