Großbritannien setzt russischen Öltanker im Ärmelkanal fest
Großbritannien hat am Sonntagmorgen nach Angaben der Regierung im Ärmelkanal einen zur russischen Schattenflotte gehörenden Öltanker aufgebracht. Bei dem ersten Einsatz dieser Art unter britischer Führung wurde das Schiff von Kommandos der Royal Marine und Beamten der National Crime Agency (NCA) geentert. Unterstützt wurden sie demnach von Chinook-Hubschraubern und anderen Flugzeugen, einer Fregatte und einem Minenjäger. Der Einsatz sei »in enger Koordination mit den Franzosen« erfolgt, sagte der britische Verteidigungsminister Dan Jarvis.
Auf einem von der Regierung veröffentlichten Video des Einsatzes waren britische Kommandos zu sehen, die sich auf das Schiff abseilten, während Beamte der NCA Dokumente durchsuchten. Das Schiff soll zu einem Ankerplatz vor der Südküste Englands gebracht und unter Aufsicht gestellt werden. Nach Angaben des britischen Verteidigungsministeriums handelt es sich bei dem Schiff um einen knapp 244 Meter langen Öltanker, der laut der Webseite Marinetraffic.com unter der Flagge Kameruns fährt und von einem russischen Hafen kommt.
Die britische Regierung hat fast 600 Schiffe der russischen Schattenflotte mit Sanktionen belegt. Im März erteilte sie der Armee des Landes die Erlaubnis, sanktionierte Schiffe der russischen Schattenflotte beim Durchqueren britischer Hoheitsgewässer zu betreten und zu beschlagnahmen. Die Regierung in London reagierte damit auf die Lockerung der US-Sanktionen gegen russisches Öl, mit der Washington die wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges gegen den Iran dämpfen wollte.
»Russland hängt von seiner Schattenflotte ab«
»Russland hängt von seiner Schattenflotte ab, um seinen Konflikt in der Ukraine zu finanzieren, und unser Verbot verschafft Putins illegalem Krieg einen Schlag«, sagte der britische Verteidigungsminister Jarvis. »Diese erfolgreiche Operation versetzt Russland einen weiteren Schlag und erinnert diejenigen, die Putins Krieg in der Ukraine anheizen, daran, dass wir sie nicht ungeschoren davonkommen lassen werden«, sagte Premierminister Keir Starmer in einem Beitrag auf X.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb auf X, er sei Großbritannien für die Festsetzung des Tankers dankbar. Die Ukraine drängt seine Verbündeten zu einem härteren Vorgehen gegen die Schattenflotte, die nach ukrainischen Angaben Russlands Kriegsmaschinerie finanziert.
»Europa muss dringend gesetzliche Schritte unternehmen, um nicht nur die Festsetzung von Tankern und Beschränkungen für Öllieferungen zu ermöglichen, sondern auch die Beschlagnahmung des transportierten Öls. Dies wird sicherlich dazu beitragen, den Frieden zu fördern«, sagte Selenskyj.
Die russische Botschaft in London reagierte nicht umgehend auf eine Anfrage nach einer Stellungnahme.