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Mit gesenkten Köpfen schlichen Gladbachs Profis nach dem 1:2 gegen Hoffenheim durch den Spielertunnel in Richtung Kabine, niemand wechselte ein Wort. Keine sichtbaren Wutausbrüche, kein Fluchen, kein hörbares Türzuschlagen. Die Borussia verstummt in der Krise! Auch die Verantwortlichen haben nach der sechsten Niederlage in Folge längst erkannt, dass die wehrlose, führungslose und regelrecht leblose Mentalität der Mannschaft eines der ­größten Probleme hinter dem Katastrophen-Start mit null Punkten und 8:20 Toren ist.

SPORT BILD verrät jetzt, was innerhalb der Kabinen-­Mauern wirklich schiefläuft und welche Gründe dahinterstecken.

Beispielhaft steht der Ablauf rund um das Spiel gegen Hoffenheim: Auf dem Platz ging kein Profi sichtbar voran. Selbst durch den zwischenzeitlichen Ausgleich durch Talent Wael Mohya (17) zog das Kollektiv keine spürbare Energie. In der Halbzeitpause hatten einige Profis noch den Mund aufgemacht. Zu den Wortführern im Team gehören derzeit die Vizekapitäne Kevin Diks (30) und Philipp Sander (28) sowie Torwart Moritz Nicolas (29). Hinterher herrschte weitestgehend Stille, nacheinander verließen die Spieler die Kabine – viele von ihnen allein.

Die Mannschaft ist nicht verzofft, der Großteil der Charaktere aber zu leise und zu lieb. Auch aufgrund der bestehenden Enttäuschung gab es nach SPORT BILD-Informationen zuletzt immer weniger Zusammenkünfte des Teams abseits von Training und Ansprachen. Viele Profis verließen das Gelände häufig schon kurz nach Ende der Einheiten. Auch Teamabende sollen zuletzt kaum noch zustande gekommen sein. Die Mannschaft zerfällt derzeit immer mehr in Grüppchen – dies betrifft nicht nur die sprachlich schlechter angebundenen Japaner, denen bereits ein Dolmetscher zur Seite gestellt worden ist. Hinzukommt, dass einige erfahrene Leistungsträger Zweifel an den fußballerischen Qualitäten ihrer Mitspieler haben sollen.

Sport-Boss Rouven Schröder (51) und Neu-Trainer Alexander Blessin (53) arbeiten derzeit daran, Selbstvertrauen, Energie und Teamgeist neu zu entfachen. Intern beschlossene Strategie: Auf die Spieler soll nicht eingedroschen werden, stattdessen sprechen die Verantwortlichen ihnen immer wieder das Vertrauen aus. Am Tag nach dem Hoffenheim-Spiel führten die beiden Verantwortlichen zahlreiche Einzelgespräche inklusive kritischer Analyse. Blessin hatte dem Team schon im Spielerkreis nach Abpfiff mitgegeben: „Die Schwachen bleiben liegen, die Starken werden aufstehen.“

Fraglich aber, ob Borussia genügend „Starke“ hat. Denn die Ursachen für die kaputte Kabine und den von Blessin betitelten „Angsthasenfußball“ liegen in der Kader-Zusammenstellung. Schröder und die Geschäftsführung haben aus finanziellen Zwängen fast die gesamte Achse abgegeben: Rocco Reitz (24/Leipzig) und Nico Elvedi (30/Leeds) wurden verkauft, Haris Tabakovic (32/Salzburg) und Yannik Engelhardt (25/Freiburg) nach Leihe nicht gehalten. Ein personeller Aderlass, den die Mannschaft bislang nicht verkraftet hat.

Von Kapitän Tim Kleindienst (31), der vergangene Saison (Knie-OP) fast komplett und aktuell (Muskelfaserriss) erneut ausfällt, hat sich der Verein sportlich wie auch hierarchisch zu abhängig gemacht. Zumal der Stürmer die Kabine zusätzlich spaltete, indem er seine Mitspieler („Weniger TikTok gucken“) mehrfach öffentlich kritisierte.

Weiteres Problem ist die Verletzungsflut: Potenzielle Anführer wie Jens Castrop (23), Jan Leszczynski (19), Enzo Leopold (26) oder Nicolas Kühn (26) fallen teils sogar langfristig aus.

Verliert Gladbach gegen Stuttgart auch das siebte Spiel in Folge, wäre der historisch schlechteste Liga-Start aller Teams und aller Zeiten perfekt. Müssen nach dem entlassenen Eugen Polanski (40) jetzt auch Schröder und die sportliche Führung um ihre Zukunft bangen? Ein Rauswurf ist nach SPORT BILD-Informationen sowohl seitens der Geschäftsführung als auch seitens des Präsidiums ausgeschlossen – zumal sich damit auch die Gremien noch angreifbarer machen würden.