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Bad Hindelang/Hinterhornbach – Irgendwann wird er auseinanderbrechen. Mitten in den Allgäuer Alpen tickt eine geologische Zeitbombe. Der Berg ist von einer riesigen Felsspalte durchzogen. Wann sich die gewaltigen Gesteinsmassen lösen und ins Tal stürzen, ist ungewiss. Aber der Zeitpunkt rückt näher, begünstigt durch den Klimawandel! Experten warnen vor dem Moment, in dem es passiert.

Der Hochvogel, über dessen Gipfel die Grenze zwischen Deutschland und Österreich verläuft, gehört zu den imposantesten Anblicken in den Allgäuer Alpen. Doch eine beängstigende Lücke klafft im Gestein des 2592 Meter hohen Riesen. Der Riss ist mittlerweile bis zu sechs Meter breit und über 60 Meter tief.

So wird der Berg überwacht

Über 30 Sensoren zeichnen jede Bewegung auf, bereits seit Jahren. Die Forscher der Technischen Universität München (TUM) sind in Alarmbereitschaft. Erst im Juni stürzte ein Felsturm von 2000 Kubikmetern Gestein ins Tal. Möglicherweise ein erster Vorbote der drohenden Gesteinslawine!

Gegenüber BILD erklärt Dr. Johannes Leinauer vom Lehrstuhl für Hangbewegungen an der TUM: „Wir überwachen den Hochvogel permanent, bekommen alle 10 Minuten Messdaten.“ Eine zeitliche Vorhersage, wann es zum befürchteten Felsabsturz kommt, kann er noch nicht geben. „Aus geologischer Sicht sprechen wir da nicht von morgen oder in wenigen Tagen. Aber wir sind relativ nahe dran.“

Klimawandel beschleunigt den Prozess

Akut gebe es keine Gefahr. Doch das könne sich schnell ändern. Abhängig sei das letztlich auch von künftigen Wetterereignissen, die den Riss wachsen lassen können. Dabei spiele auch der Klimawandel eine Rolle. Leinauer zu BILD: „Gewitter und Regen werden häufiger und stärker, und das beschleunigt die Sache natürlich.“

Der Experte hat den Berg bereits seit acht Jahren im Blick. Er überwacht die Felsspalten seit Jahren systematisch mit Messgeräten. Zur aktuellen Lage sagt er: „Wir haben einen Hauptspalt, der bis zu sechs Meter offensteht. Der öffnet sich im Schnitt ein bis zwei Millimetern weiter pro Monat. Es gibt aber an der Seite auch Nebenspalten, die sich ein bisschen schneller auftun.“ Der Hauptriss liegt auf österreichischer Seite.

Im Frühjahr sei dort nach einem starken Regen eine Spalten-Erweiterung um 5 Millimeter festgestellt worden. „Diese Verformung war schon die stärkste, die wir in den letzten Jahren gemessen haben“, so der Spalten-Forscher zu BILD.

Noch ist er aber relativ entspannt: „Über den Winter tut sich meist nicht besonders viel, weil dann der Berg meist gefroren ist.“ Deformationen im Gestein träten meist im Frühjahr nach der Schneeschmelze und den ersten starken Niederschlägen auf. Im Herbst beruhige sich das Ganze normalerweise wieder. Doch das veränderte Klima könne den Prozess beschleunigen. Leinauer zu BILD: „Nach Felsabbrüchen an der Zugspitze im September und in den Dolomiten Anfang Oktober schauen wir natürlich jetzt ganz genau hin.“

Das wären die Folgen des Felsabsturzes

Sollte das gesamte Felspaket mit einer geschätzten Masse zwischen 250.000 und 400.000 Kubikmetern abbrechen, wäre im Extremfall der österreichische Ort Hinterhornbach (90 Einwohner) betroffen. Der Bäumenheimer Weg im Tiroler Hornbachtal, der zum Gipfel des Hochvogels führt, ist bereits seit 2014 gesperrt. Doch der Wissenschaftler beruhigt: „Wir gehen davon aus, dass die Massen in ein unbewohntes Bergtal abstürzen.“ Begleitet würde der Felssturz aber wohl von einer gigantischen Staubwolke, die sich im Tal ausbreiten könnte.

Auf deutscher Seite gibt der Tourismusdirektor von Bad Hindelang, Maximilian Hillmeier, Entwarnung. Er sagte zu BILD: „Für die Urlauber bei uns besteht keine Gefahr. Der Felsabsturz droht auf der gegenüberliegenden Seite des Bergs. Wir liegen auf der sicheren Seite.“