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Berlin – Husten? Brechdurchfall? Viele Deutsche rennen heute schon bei kleinen Beschwerden sofort zum Arzt. Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt (66) schlägt deshalb einen ungewöhnlichen Weg vor: Pensionierte Ärzte sollen in Grundschulen gehen und Kindern beibringen, wie sie sich bei harmlosen Krankheiten selbst helfen können.

„Ein pensionierter Arzt könnte beispielsweise einmal im Monat in eine Grundschule gehen und über Gesundheitskompetenz sprechen“, sagte Reinhardt den Zeitungen der Funke Mediengruppe. So könnten Kinder schon früh lernen, was sie bei typischen Alltagsbeschwerden tun können, ohne gleich die Arztpraxis oder den Notdienst aufzusuchen.

Der Bundesärztekammer-Chef beklagt einen Verlust von Alltagswissen. Früher hätten viele Menschen noch gewusst, wie sie sich bei leichten Erkrankungen selbst helfen können. Heute sei dieses Wissen über Gesundheit deutlich zurückgegangen. Als Beispiel nennt er einen gesunden 25-Jährigen mit Brechdurchfall. Der brauche „nicht unbedingt nachts einen Hausbesuch“, sondern sollte wissen, wie er sich zunächst selbst versorgen kann. Auch beim richtigen Inhalieren bei Husten fehle vielen Bürgern grundlegendes Wissen.

Eigenes Schulfach?

Reinhardt plädiert dafür, Gesundheitsförderung als eigenes Schulfach einzuführen. Kultus- und Gesundheitsminister der Länder müssten dafür gemeinsam ran. Auch niedergelassene Ärzte aus der Umgebung könnten in den Unterricht eingebunden werden. Besonders wichtig sei die Vorbeugung von Krankheiten. Seine Warnung: „Junk- und Fastfood machen dick und krank.“ Deshalb müsse Kindern schon früh vermittelt werden, wie gesunde Ernährung und ein gesunder Lebensstil funktionieren, am besten in Schule oder Kindergarten.

Laut Reinhardt ist bereits jeder vierte Arzt in Deutschland mindestens 60 Jahre alt. Deshalb fordert der Ärzte-Chef Anreize, damit Mediziner länger arbeiten. Das müsse nicht Vollzeit sein. In seiner eigenen Praxis seien Kolleginnen und Kollegen sogar mit über 70 noch rund 20 Stunden pro Woche tätig. „Das macht ihnen Freude“, sagt Reinhardt. Zugleich fordert er weniger Bürokratie in Praxen. Mehr Gesundheitswissen bei den Patienten könne helfen, die knappe Arztzeit gezielter einzusetzen.