Kiew/Moskau – Zwei Länder, zwei gehackte Warnsysteme: In der Ukraine und in Russland sind die offiziellen Notfall-Apps laut Behörden Ziel von Cyberangriffen geworden. Die Programme sollen Menschen bei Luftangriffen und anderen Gefahren rechtzeitig warnen. Stattdessen erhielten Nutzer offenbar falsche Alarmmeldungen.
Am späten Sonntagabend tauchte in der ukrainischen Warn-App „Air Alert“ unter anderem eine Warnung vor radioaktiver Strahlung in der Hauptstadt Kiew auf. Die ukrainische Luftwaffe reagierte auf Telegram und warnte vor einer möglichen Manipulation. Die Behörde stellte zugleich klar: Es bestehe keine Gefahr durch Strahlung.
Nur wenige Stunden später meldete Russland einen massiven Cyberangriff auf sein eigenes Warnsystem. Laut Zivilschutzministerium verschickten Angreifer Falschinformationen über die App. Die Webseite des Ministeriums war zeitweise nicht erreichbar.
Medienberichten zufolge ertönten am späten Sonntagabend in einigen russischen Regionen Warnsirenen. Über die App soll außerdem fälschlicherweise vor Angriffen mit chemischen Waffen gewarnt worden sein. Die Behörden forderten die Bürger auf, keine Links aus den Warnmeldungen anzuklicken.
Das sagt ein Experte zum Cyberangriff
Herbert Lin (74), leitender Wissenschaftler für Cyberpolitik und Sicherheit an der Stanford University, beschreibt den Vorgang im Nachrichtensender BBC als „besorgniserregend“. „Ich denke, es ist das erste Mal, dass es einer offiziellen ukrainischen Informations-App passiert ist, aber ich vermute, dass es nicht das letzte Mal sein wird“, sagt Lin, der zuvor in der Kommission des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama (65) zur Verbesserung der nationalen Cybersicherheit tätig war.
Auffällig ist die zeitliche Nähe: Erst wurde das ukrainische Warnsystem manipuliert, wenige Stunden später die russische App. Ob die Ukraine mit dem Angriff auf Russland zurückschlug, ist bislang nicht belegt.