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Duisburg (NRW) – Nach der spektakulären Flucht eines Häftlings aus der JVA Duisburg-Hamborn wird immer deutlicher, wie aufwendig er seinen Ausbruch vorbereitet hatte: Bei der Durchsuchung der Zelle des geflüchteten Serben (35) entdeckten Ermittler ein geheimes Versteck unter dem Linoleumboden. Dort hatte der Häftling einen Hohlraum angelegt. Bei Kontrollen war das Versteck zuvor nicht aufgefallen. Werkzeug fanden die Ermittler nicht mehr.

Laut NRW-Justizministerium sägte der Häftling offenbar einen Gitterstab vor seinem Zellenfenster durch. Das zweite Gitter innen soll er mit seinem Zellentisch als Hebel aufgedrückt haben. Anschließend zwängte er sich durch die schmale Öffnung, kletterte über die Fassade aufs Dach und entkam.

Von dem Ausbrecher fehlt weiter jede Spur. Er saß wegen Diebstahlverdachts in Untersuchungshaft. Ende Mai war er wegen zweier Wohnungseinbrüche zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Nach Informationen aus Justizkreisen soll er dabei neben Schmuck auch mehr als 200.000 Euro Bargeld erbeutet haben.

Woher kam das Werkzeug?

„Wieso dieses Versteck bei Zellenkontrollen nicht aufgefallen ist und wie ein Werkzeug, mit dem er einen Gitterstab durchsägte, in die JVA gelangte, ist jetzt Gegenstand der Ermittlungen“, sagte ein Sprecher des Justizministeriums zu BILD.

Brisant ist das auch deshalb, weil die NRW-Justiz seit Monaten von Gefängnis-Skandalen erschüttert wird: In der JVA Euskirchen stehen mehrere Beamte unter Korruptionsverdacht. Häftlinge sollen gegen Geld Vergünstigungen erhalten haben. Ermittler prüfen dort ein mutmaßliches System aus Bestechung und Hafterleichterungen. Einen Zusammenhang mit dem Duisburger Ausbruch sieht das Ministerium bislang allerdings nicht. Der Sprecher: „Bislang haben wir in diesem Fall keine Hinweise auf Korruption innerhalb der JVA.“

Experte warnt seit Langem

Der renommierte Strafverteidiger Burkhard Benecken sieht den Fall dennoch kritisch: „Dieser Ausbruch überrascht mich nicht. Es wird bereits seit Längerem darauf hingewiesen, dass die Sicherheitsvorkehrungen in den JVAs nicht ausreichend sind“, sagte er zu BILD.

Der Autor des Buches „Inside Knast: Leben hinter Gittern – der knallharte Alltag in deutschen Gefängnissen“ verweist auf Personalmangel im Justizvollzug. Zudem bestehe grundsätzlich die Gefahr, dass verbotene Gegenstände hinter die Gefängnismauern gelangen.

FDP greift Justizminister an

Politisch sorgt die Flucht ebenfalls für Wirbel. Werner Pfeil (60), Justizexperte der FDP-Landtagsfraktion, attackierte NRW-Justizminister Benjamin Limbach (56) scharf. „Jetzt reiht sich ein weiterer Vorfall in die Pleiten-Pech-und-Pannen-Geschichte des NRW-Justizministers ein“, so Pfeil zu BILD. Erst wenige Tage zuvor habe Limbach erklärt, der Justizvollzug in Nordrhein-Westfalen sei sicher. „Und drei Tage später werden über Nacht Gitterstäbe durchgesägt. Offenbar ist im NRW-Justizvollzug mittlerweile alles möglich.“