TTS-Player überspringen↵Artikel weiterlesen

Rom – Historische Premiere! Erstmals in der Geschichte hat ein Papst bei einer US-Wahl seine Stimme abgegeben. Leo XIV. nutzte dafür die Briefwahl – und gab seine Stimme aus dem Vatikan ab, etwa 7500 Kilometer weit von den USA entfernt. Hat er für oder gegen die Trump-Partei gestimmt? Das bleibt natürlich geheim. Aber wer seine Äußerungen seit der Wahl zum Papst genau beobachtet hat, bekommt ein gutes Gefühl, wie der Franziskus-Nachfolger politisch tickt.

Klar ist: Seit seinem Amtsantritt vor rund anderthalb Jahren liegt Leo XIV. immer wieder mit US-Präsident Donald Trump im Clinch. Bei Themen wie dem Iran-Krieg, Migration und Pressefreiheit kritisierte der Papst den Republikaner mehrfach öffentlich. Trump wiederum teilte wiederholt persönlich gegen den Pontifex aus.

Der gebürtige Amerikaner hatte offenbar schon Anfang Oktober die nötigen Schritte eingeleitet, um per Briefwahl an den US‑Zwischenwahlen teilzunehmen. Nach US-Medienberichten beantragte er damals in seiner Heimatstadt Chicago (Illinois) die Briefwahlunterlagen. Leo – mit bürgerlichem Namen Robert Francis Prevost – hat durch seine Zeit als Bischof in Peru auch die Staatsbürgerschaft des südamerikanischen Landes.

Offener Schlagabtausch

Das Verhältnis zwischen Papst und Trump kann durchaus als belastet bezeichnet werden. Was als politische Meinungsverschiedenheit begann, hat sich inzwischen zu einem ungewöhnlich offenen Konflikt zwischen dem Oberhaupt der katholischen Kirche und dem mächtigsten Politiker der USA entwickelt.

Der zentrale Streitpunkt: Leo XIV. kritisiert die aggressive Außenpolitik der Trump-Regierung, insbesondere den US-israelischen Krieg gegen das Mullah-Regime. Der Papst fordert ein Ende der Gewalt, mehr Diplomatie und eine friedliche Konfliktlösung. Auch Trumps harte Abschiebepolitik hat der Papst wiederholt infrage gestellt. Sie sei kaum mit den christlichen Werten und dem Schutz der Menschenwürde vereinbar.

„Schrecklich in der Außenpolitik“

Trump wiederum greift den Papst persönlich an. Im April 2026 bezeichnete er Leo unter anderem als „schwach in Sachen Kriminalität“ und „schrecklich in der Außenpolitik“. Zudem warf er ihm vor, sich politisch auf die Seite der Linken zu schlagen. Es war ein ungewöhnlich scharfer öffentlicher Angriff eines US-Präsidenten auf den Papst.

Leo lässt sich davon nicht einschüchtern. Er stellte klar, dass er keine Angst vor der Trump-Regierung habe und sich weiterhin gegen Krieg und Gewalt aussprechen werde. Seine Aufgabe sei es, die Botschaft des Evangeliums zu vertreten – nicht die Interessen einer Regierung.

Auch diplomatisch ist das Verhältnis angespannt. Ein direktes Treffen zwischen Trump und Leo hat bislang nicht stattgefunden. Im Mai 2026 empfing der Papst allerdings US-Außenminister Marco Rubio im Vatikan. Beide Seiten signalisierten den Willen zu besseren Beziehungen. Eine echte Annäherung zwischen Papst und Präsident bedeutete das jedoch nicht.

Die politische Brisanz: Leo ist als erster US-Amerikaner auf dem Papststuhl eine besondere Figur. Er kennt die amerikanische Gesellschaft und Politik aus eigener Erfahrung. Gleichzeitig versteht er sich als Oberhaupt einer weltweiten Kirche – und nicht als Vertreter amerikanischer Interessen. Genau darin liegt der Konflikt mit Trump.

Papst: Wählen „Recht und Pflicht“

In einer offiziellen Mitteilung bekräftigte der Vatikan die Haltung des Papstes: Bürger hätten nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, sich an demokratischen Prozessen zu beteiligen.

Bei den Zwischenwahlen am Dienstag geht es um die Macht in Washington: Sämtliche Sitze im Repräsentantenhaus und ein Teil der Senatsmandate werden neu vergeben. Trumps Republikaner kämpfen darum, ihre ohnehin knappen Mehrheiten in beiden Kammern zu verteidigen.