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Den 18. November dürfte sich Gianni Infantino (56) rot im Kalender angestrichen haben. An diesem Tag endet die Bewerbungsfrist für das Amt des Fifa-Präsidenten, der auf dem Kongress am 18. März 2027 in Rabat/Marokko gewählt wird (bis 2031). Bisher ist Infantino einziger Kandidat, seine Wiederwahl schien sicher, mehr als 200 der 211 Fifa-Mitgliedsverbände sollen ihm schriftlich ihre Unterstützung zugesagt haben – der DFB gehört nicht dazu. Doch seit der vorigen Woche bekommt Infantino starken Gegenwind aus allen Richtungen – der ihn sogar wegfegen könnte.

Infantinos Alleingang beim WM-Investoren-Plan mit dem Trump-Clan hat für gewaltige Verärgerung bei den Kontinentalverbänden von Europa (Uefa), Asien (AFC), Nord-, Mittelamerika und der Karibik (Concacaf), ihren Mitgliedsverbänden, Europas Klub-Verband (EFC), der Vereinigung Europäische Ligen (EL) und der internationalen Spielergewerkschaft (Fifpro) gesorgt. Die 55 europäischen Nationalverbände drohten geschlossen mit einem WM-Boykott.

Am Ende knickte Infantino ein, gab seinen Plan auf. Doch ob ihn das rettet? Zu groß ist das Misstrauen, dass Infantino bald mit dem nächsten Vorhaben um die Ecke kommt, das er wieder heimlich im Hintergrund vorangetrieben hat und das die 211 Verbände nur abnicken sollen – wie die Aufstockung der WM 2030 auf 64 Teams. Infantino hat ohne jede Absprache eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die am 11. September vorliegen soll.

Die Uefa will deshalb in Abstimmung mit den anderen Konföderationen und Stakeholdern einen „Plan entwickeln, um sicherzustellen, dass sich so etwas nicht wiederholt. Keine Option sollte ausgeschlossen werden.“ Doch es ist nicht in erster Linie die Uefa unter Präsident Aleksander Ceferin (58), die Infantino fürchten muss. Die größere Gefahr könnte ihm aus Asien drohen. Aus zwei Gründen:

Infantinos größter Gegenkandidat ist Al-Khelaifi

► Aus Katar kommt der am besten geeignete aller möglichen Gegenkandidaten Infantinos: Nasser Al-Khelaïfi (52). Längst wird sein Name hinter den Kulissen gehandelt, aufgrund seiner Persönlichkeit, Qualitäten und globalen Vernetzung. Al-Khelaïfi ist mit seinem Führungsstil der Gegenentwurf zum Autokraten Infantino: Als EFC-Boss hat er u. a. für eine Demokratisierung in der europäischen Klub-Landschaft gesorgt, die lange von den Topvereinen dominiert wurde – obwohl Champions-League-Sieger Paris Saint-Germain, dessen Präsident er ist, zu ihnen gehört.

Sein großer Vorteil: Er kennt die Bedürfnisse der Europäer im Weltfußball aus dem Effeff, könnte daher nicht nur mit 47 Stimmen aus Asien, sondern auch mit 55 Europäern rechnen. Zieht auch Concacaf (41) mit, käme Al-Khelaïfi theoretisch auf insgesamt 143 Stimmen – die klare Mehrheit.

Aber: Aus seinem EFC-Umfeld verlautet, dass der „Game-Changer“ bei der Fifa möglicherweise zu früh für Al-Khelaïfi kommen könnte. Eine Kandidatur käme auch nur infrage, wenn man ihn bitten würde. Und er sich zweitens sicher sein könne, als Sieger gegen Infantino aus dem Ring zu steigen.

Auch Bundesliga-Bosse – Jan-Christian Dreesen (58/FC Bayern), Fernando Carro (62/Leverkusen) und Oliver Mintzlaff (50/Red-Bull-Imperium) sitzen neben Al-Khelaïfi im EFC-Vorstand, Axel Hellmann (54/Frankfurt) ist sein Sonderbeauftragter für die mittleren und kleineren der rund 800 EFC-Klubs – loben seine Geradlinigkeit und kommunikative Kompetenz.

Gerade hier werden Infantino schwere Defizite vorgeworfen: Immer wieder habe er Deals im stillen Kämmerlein vorbereitet, den 37-köpfigen Fifa-Rat, in dem auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf (65) sitzt, nicht informiert, sondern versucht, ihn quasi zu überrollen.

Zu den Beispielen gehören Infantinos erfundener Fifa-Friedenspreis für den umstrittenen US-Präsidenten Donald Trump (80), sein 2018 gescheiterter Versuch, die neue Klub-WM und eine globale Nations League an einen Investor aus Saudi-Arabien zu verkaufen, und eine WM alle zwei statt vier Jahre.

Und jetzt sein Vorhaben, rund 20 Prozent der kommerziellen Rechte an der WM über ein neues Fifa-Tochterunternehmen an private Investoren zu veräußern. Konkret: an den Bruder von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner (45). Dass Infantino – er wollte 2031 hoch bezahlter Chef der neuen Fifa-Tochter werden – dreist von einem „demokratischen Beratungsprozess“ sprach und den 211 Verbänden eine Frist bis 19. September setzte, sich zu entscheiden, sorgte für zusätzlichen Ärger. Nur Afrikas Verband (CAF) signalisierte Unterstützung.

Verscherzte es sich Infantino mit den Saudis?

► Die zweite Gefahr aus Asien heißt Saudi-Arabien. Infantino setzt durch seinen gescheiterten WM-Plan das Verhältnis zu einem seiner engsten Verbündeten aufs Spiel: Damit Saudi-Arabien den Zuschlag für die WM 2034 bekommen konnte, verteilte er die WM 2030 auf drei Kontinente (Südamerika/Europa/Afrika). Die Saudis revanchierten sich, indem sie Infantino aus der Klemme halfen, der eine Milliarde US-Dollar für seine aufgepumpte Klub-WM 2025 in den USA benötigte. Der Staatsfonds investierte eine Milliarde Dollar in DAZN, das für genau diese Summe die Übertragungsrechte am Turnier kaufte. Wiederholt betonte Infantino, wie wichtig die Investitionen Saudi-Arabiens in den Fußball seien, auch als Sponsor der WM 2026.

Aus europäischen Funktionärskreisen verlautet nun: Dass Infantino den einflussreichen und mit unbegrenzten finanziellen Mitteln ausgestatteten Saudis überraschend den Stuhl vor die Tür gestellt und sich beim geplanten WM-Deal für den Trump-Clan entschieden hatte, dürfte sein bislang enges Verhältnis zu Kronprinz Mohammed bin Salman (40) mindestens belasten. Die mögliche Reaktion der Saudis könne Folgen für Infantinos Zukunft in der Fifa haben.