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Weferlingen (Sachsen-Anhalt) – Kein freier Stuhl mehr in der Halle. Wer zu spät kam, muss draußen stehen – zwischen Bratwurstgrill und Souvenirstand mit AfD-Aschenbechern. Drinnen warten mehrere hundert Anhänger auf Ulrich Siegmund (35). Er will für die AfD bei der anstehenden Landtagswahl die absolute Mehrheit holen.

Die AfD hat in dem Örtchen Weferlingen zum „Bürgerdialog“ eingeladen – Siegmund ist der Stargast. Bei seiner Ankunft rufen seine Anhänger immer wieder „Uli, Uli“, nennen ihn scherzhaft den „gefährlichsten Mann Deutschlands“ in Anspielung auf das aktuelle „Spiegel“-Titelblatt. Siegmund fühlt sich wohl unter seinen Anhängern, lächelt viel, macht Selfies – und schwört seine Zuhörer auf den Wahlkampf-Endspurt ein, er will die absolute Mehrheit. „Wenn wir zusammenhalten, ist die Zukunft auf unserer Seite“, ruft er von der Bühne. Gemeint ist: Wir gegen die. Gegen CDU, Grüne, Linke, SPD und Medien. „Wir werden hier Geschichte schreiben.“

Er appelliert an den Zusammenhalt: Die AfD sei salonfähig, nicht extrem. „Wenn sie nach links und rechts gucken, hier ist keiner rechtsextrem, hier ist jeder extrem im Recht.“ Es sind Rentner im Saal, Handwerker in Arbeitsmontur, Eltern mit kleinen Kindern.

Doch: Im Saal und davor sind auch mehrere Männer zu sehen, die T-Shirts der „Heimattreuen Altmark“ tragen. Ein Nachfolger der inzwischen aufgelösten AfD-Jugendorganisation „JA“. Im aktuellen Verfassungsschutzbericht des Bundeslands ist die „Heimattreue Altmark“ explizit genannt und dem Rechtsextremismus zugeordnet. Die Männer tragen die T-Shirts offen bei der AfD-Wahlkampfveranstaltung, niemand scheint damit ein Problem zu haben.

Ein Mann mit T-Shirt der Marke „Thor Steinar“ ist zu sehen – einer Modemarke, die seit Jahren als Erkennungszeichen in der rechten Szene gilt. Ein anderer Teilnehmer hat ein Tattoo auf der Wade, das stark an eine „Schwarze Sonne“ erinnert, ein vom NS-Regime benutztes Symbol.

Auch das scheint nicht zu stören. In Gesprächen mit AfD-Anhängern vor Ort wird schnell klar: Es geht kaum um Landespolitik. Es sind bundespolitische Themen, die sie bewegen. Die Ukraine-Unterstützung, der Atom-Ausstieg und die Migration. Geht es nach ihnen, soll Siegmund erst Ministerpräsident werden und anschließend Alice Weidel (47, AfD) Kanzlerin.