Washington/Berlin – Vor zwei Jahren waren Wirtschaft und Preise Donald Trumps stärkste Waffen. Jetzt wurden genau diese Themen zu seinem größten Problem. „It’s the economy, stupid.“ Mit diesem berühmten Satz erklärte Ex-Präsident Bill Clinton einst, was amerikanische Wahlen entscheidet: Am Ende geht’s ums Geld. Und genau darin liegt die Ironie dieser Zwischenwahlen für Donald Trump.
2024 gelang ihm sein spektakuläres Comeback auch deshalb, weil Millionen Amerikaner mit ihrer wirtschaftlichen Situation unzufrieden waren. Sie litten unter hohen Preisen und zweifelten daran, dass es unter Joe Biden wirtschaftlich in die richtige Richtung ging. Trump versprach: Ich mache Amerika wieder bezahlbar. Zwei Jahre später sind die Probleme nicht verschwunden. Nur der Verantwortliche im Weißen Haus hat gewechselt.
Die Wirtschaft wächst zwar weiter, im dritten Quartal 2026 sogar um 3,4 Prozent. Doch viele Amerikaner erleben von diesem Wachstum offenbar wenig im eigenen Portemonnaie. Und das trifft Trump ausgerechnet an seiner empfindlichsten Stelle.
Nach den vorliegenden Wählerbefragungen nennen 39 Prozent die Wirtschaft als wichtigstes Wahlthema. Bitter für Trump: 44 Prozent sagen, ihrer Familie gehe es finanziell schlechter als vor zwei Jahren. Nur bei 18 Prozent ist die Lage besser. 88 Prozent sorgen sich wegen gestiegener Preise. 62 Prozent von ihnen machen Trumps Politik dafür verantwortlich. Und hier wird besonders der Iran-Krieg ein Problem für Trump, da dieser die Sprit-Preise erheblich verteuert hat.
Trump hat sein eigenes Erfolgsrezept gegen sich gedreht
Das ist die eigentliche Botschaft dieser Wahl. Nicht die Themen der Amerikaner haben sich grundlegend verändert. Ihre Erwartungen haben sich verändert. 2024 konnte Trump sagen: Seht euch die Preise an. Seht euch eure Rechnungen an. Seht euch an, was euch am Monatsende bleibt. Gebt mir die Macht, und ich ändere das. 2026 sitzt er selbst im Weißen Haus. Damit funktioniert die alte Schuldzuweisung nicht mehr.
Das ist Trumps großes Midterm-Dilemma: Er hat die Erwartungen selbst so hoch geschraubt, dass sie jetzt auf ihn zurückfallen. 2024 lautete Trumps Botschaft an unzufriedene Amerikaner: Ihr lebt schlechter, deshalb braucht ihr mich. 2026 lautet die Frage dieser Wähler: Warum leben wir nach zwei Jahren Trump noch immer nicht besser?
Das ist womöglich die härteste Abrechnung für einen Präsidenten, der sich wie kaum ein anderer als Wirtschafts-Macher verkauft. Trump wird von den Problemen eingeholt, die ihn zurück ins Weiße Haus gebracht haben.