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Winston-Salem (USA) - Ganz Fußball-Deutschland feiert Deniz Undav (29)! Die DFB-Elf hat endlich wieder einen Angreifer, wie Miroslav Klose (48) einer war. Der heutige Nürnberg-Trainer ist unser bislang letzter Weltmeister-Stürmer. Wird Undav der nächste?

Die beiden sind sich ähnlicher, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Klose absolvierte eine Ausbildung als Dachdecker, ehe ihm beim 1. FC Kaiserslautern erst im Alter von 22 Jahren der Durchbruch im Profifußball gelang. Auch Undav ist ein echter Spätzünder, der Torjäger schloss noch vor seiner Karriere eine Lehre zum Maschinenführer ab. BILD zeigt die wichtigsten Stationen auf Undavs hartem Weg an die Fußball-Spitze.

Die Liebe zum Fußball entdeckte der gebürtige Niedersachse in der Bambini-Jugend seines Kindheitsvereins TSV Achim, südöstlich von Bremen. Undav fiel schon damals auf. In einem Spiel gelangen ihm sogar mal elf Tore. Im Training trank der kleine Deniz damals kein Wasser, sondern brachte sich immer einen Tetrapack Eistee mit.

Werder Bremen sortierte Undav aus

Als D-Jugendlicher wechselte Undav zu Werder Bremen. Dort setzte er sich letztlich nicht durch. Die Verantwortlichen sortierten Undav nach nur zwei Jahren aus. Die Begründung damals: Undav sei zu klein und zu dick.

Als junger Erwachsener landete Undav später beim Regionalligisten TSV Havelse. In dieser Zeit absolvierte er parallel zum Fußball eine zweijährige Ausbildung zum Maschinenführer. Dafür musste der heutige Bundesliga-Profi jede Nacht um 4 Uhr aufstehen, um um 5.30 Uhr zum Dienstbeginn anzutanzen. Nach dem Feierabend gegen 14 Uhr ging es schnell nach Hause, anschließend fuhr Undav mit dem Bus zum Training nach Havelse. Zwei Jahre lang!

In der Ausbildung verdiente Undav 600 Euro im Monat, 400 Euro bekam er vom TSV Havelse. Von den insgesamt 1000 Euro gingen 400 Euro für Miete weg. Restaurants leistete sich Undav damals nur selten. Hauptsächlich ernährte er sich von Toastbroten, Krautsalat und Mayonnaise. Zu Monatsbeginn besorgte sich Undav meist mehrere Kisten Wasser. Pfandflaschen sammelte er.

Undav profitierte von De Zerbi

Über den damaligen Drittligisten SV Meppen schaffte Undav 2020 den Sprung zu Belgien-Klub St. Gilloise. Undav war damals schon 23 Jahre alt. Nach nur eineinhalb Spielzeiten in Belgien wurde Brighton & Hove Albion auf Undav aufmerksam. Der heutige DFB-Star wechselte in die Premier League und qualifizierte sich 2023 mit dem Klub an Englands Südküste auf Platz 6 sogar sensationell für die Europa League.

Enorm profitiert hat Undav in seiner Zeit bei Brighton vom damaligen Trainer Roberto De Zerbi (47/heute Tottenham Hotspur). Undav verstand nach eigener Aussage plötzlich, was es heißt, fürs Team zu arbeiten und auf den ersten Anschein auch mal unnötige Laufwege zu machen.

Seine Mannschaftskollegen lobten ihn nach seinem ersten halben Jahr: „Deniz, du bist ganz anders. Viel frischer, agiler, du läufst mehr!“ Eine Spielweise, die sich Undav bis heute beibehalten möchte.

Seit Sommer 2023 stürmt er für den VfB Stuttgart, am 23. März 2024 feierte Undav sein Nationalmannschafts-Debüt beim 2:0 gegen Frankreich. Seither gelangen dem Goalgetter in elf Länderspielen neun Tore und vier Vorlagen. Fußball-Deutschland und er hoffen, dass in den kommenden Wochen noch einige hinzukommen werden.