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Berlin – Wie sicher ist die Stromversorgung in Deutschland? Eine Untersuchung eines britischen Instituts stellt der Bundesrepublik eine extrem schlechte Bewertung aus. Hauptgrund: die starke Fokussierung auf erneuerbare Energien. Das „Adam Smith Institute“ in London versteht sich als Think Tank (Denkfabrik) für eine marktwirtschaftliche Ausrichtung von Politik-Empfehlungen. Es bewertet auch die Energieversorgung der Länder weltweit.

Aktuell steht Deutschland in der Rangliste des Instituts auf Platz 69. Damit liegt Europas größte Volkswirtschaft hinter Ländern wie Bosnien und Herzegowina (Platz 68), Irak (Platz 66) und Kirgisien (Platz 57). Die grundsätzliche Bewertung der Versorgungssicherheit in diesen Ländern benennt das „Adam Smith Institute“ mit „Borderline“, also grenzwertig, der dritten von fünf Stufen der Bewertung.

Die Skala der weltweiten Energieversorgung wird anhand von vier Kriterien aufgestellt: Verfügbarkeit zu jeder Tages- und Jahreszeit, das Spektrum, die Importsicherheit und die Zahlungsfähigkeit. Bei zwei der Kriterien – Spektrum der Energieerzeugung und Zahlungsfähigkeit – liegt Deutschland weit über dem Durchschnitt. Extrem schlecht schneidet Deutschland beim Punkt Verfügbarkeit ab – es erreicht nur Platz 180 von 187 Ländern.

Der Grund dafür liegt im System des „Adam Smith Institute“. Eine volle Bewertung bei Verfügbarkeit erhält Strom aus Wasserkraft, Atomkraft, Kohlekraft, Gas und Öl. Erneuerbare Energien wie Windkraft und Photovoltaik werden bei der Verfügbarkeit nicht berücksichtigt. Strom aus diesen Quellen ließe sich nicht zu jeder beliebigen Zeit auf Knopfdruck abrufen, begründet das Institut die Bewertung. Das wirkt sich im Fall von Deutschland stark aus, da im ersten Halbjahr 2026 Strom zu 59,1 Prozent aus erneuerbaren Energien erzeugt wurde. Einheimische Atomkraft ist dagegen seit 2023 stillgelegt.

48 Prozent der Firmen melden Stromausfälle

Wie sieht die Praxis aus? Die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) hat ihre Mitgliedsunternehmen aktuell befragt, für wie sicher sie ihre Energieversorgung halten. „Mehr als 82 Prozent der Unternehmen in Bayern bewerten die aktuelle Versorgungssicherheit im Freistaat als ‚gut‘ oder ‚sehr gut‘. 2025 waren es lediglich 74 Prozent“, sagt Bertram Brossardt (66), Geschäftsführer der vbw.

Es gebe aber auch Bewertungen, die Anlass zur Besorgnis seien. Mehr als 48 Prozent der Unternehmen würden kurze Stromausfälle unterhalb der statistischen Erfassungsschwelle von drei Minuten melden. „Das sind über acht Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Problematisch ist dies, weil gut 60 Prozent der Unternehmen durch diese Ausfälle wirtschaftlichen Schaden erlitten haben.“