Heide (Schleswig-Holstein) – Das Unternehmen wurde bereits vor 175 Jahren gegründet, baut seit 119 Jahren Fahrräder. Doch jetzt ist der Traditionsbetrieb aus dem Norden Deutschlands pleite. Der Hersteller von Premium-Fahrrädern und E-Bikes steht vor dem Aus!
Die Böttcher Fahrräder GmbH aus Wesseln bei Heide (Kreis Dithmarschen) hat Insolvenz angemeldet. Geschäftsführer Hauke Niemann zu BILD: „Der Betrieb läuft weiter. Bereits erteilte Aufträge werden abgearbeitet – und wir nehmen auch Bestellungen an. Die Mitarbeiter geben alles, damit das Unternehmen weiter besteht.“
Das sagt der Insolvenzverwalter
Das Amtsgericht Meldorf in Schleswig-Holstein bestellte am 7. Oktober Vanja Alexander Kovacev von der Wirtschaftskanzlei CMS zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Der Rechtsanwalt zu BILD: „Derzeit führen wir hierfür intensive Verhandlungen mit den beteiligten regionalen Banken. Es geht jetzt darum, die Weichen für die Fortführung des Betriebs zu stellen und die Arbeitsplätze bei Böttcher zu sichern. Wir rechnen damit, dass die Banken diesen Weg im Interesse der Region mittragen werden.“
So viele Mitarbeiter sind betroffen
Die Gehälter der 94 Mitarbeiter sind über das Insolvenzgeld gesichert. Die Suche nach Investoren läuft. Nach Angaben des Insolvenzverwalters wurden rund 200 strategische Investoren aus der Branche sowie Finanzinvestoren aktiv kontaktiert. Interessenten können sich gerne noch melden. Vanja Alexander Kovacev: „Es ist das Ziel, in den kommenden Wochen mit den aussichtsreichsten Kandidaten in die Gespräche zu gehen und bis Weihnachten eine Sanierungslösung erarbeitet zu haben.“
Die Gründe für die Pleite
2025 erzielte das Unternehmen nach eigenen Angaben rund 18,1 Millionen Euro Umsatz. Doch wie kam es zur Insolvenz? Nach dem Corona-Boom kam es aufgrund der Marktsättigung zu massiven Umsatzrückgängen. Weil die Nachfrage einbrach, rutschten auch weitere Fahrradbauer in eine wirtschaftliche Schieflage. Andere Hersteller kämpften mit fehlenden Bauteilen, Lieferproblemen und ausbleibenden Folgeaufträgen.
Fahrradbranche in der Krise
Mit der niederländischen Accell Group geriet im August sogar ein Gigant ins Straucheln. Nach der Insolvenz wollten sich rund 60 Kaufinteressenten die bekannten Fahrradmarken Haibike, Ghost, Winora, Koga, Lapierre, Babboe oder Raleigh sichern. Auch bei der 2Rad Produktions GmbH in Österreich geht es bergab. Das Unternehmen musste im September ein neues Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragen.