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Berlin – Das Treffen sollte geheim bleiben, und blieb es auch: Mitte August, St. Quirin, Ostufer des Tegernsees, Kanzler Friedrich Merz macht Ferien in seinem Haus. Bei ihm: Ilse Aigner. Sie machen das regelmäßig. Die bayerische Landtagspräsidentin hat ihren Wahlkreis hier, er sein Ferienhaus. Beide besuchen oft gemeinsam die Gottesdienste von Monsignore Walter Waldschütz, dem Pfarrer unten im Hauptort. Man ist befreundet. Der Blick von der Merz-Terrasse geht über den See, rüber zum Westufer, wo Bayern-Legende Uli Hoeneß wohnt. Man sitzt bei einer Brotzeit auf Holzbänken, die Nachbars-Kühe grasen keine zwei Meter weiter. Es um Höchstes: die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier (70) als Staatsoberhaupt.

An diesem Tag, so berichten es Insider gegenüber BILD, besprach Merz mit Aigner die Einzelheiten ihrer Kandidatur. Anders als sonst konnte man nicht wandern. Aigner hatte gerade im rechten Knie eine Teilprothese bekommen. Man sitzt und plant.

Das Signal des CDU-Chefs an die CSU-Frau: Bereite dich drauf vor, dass du es wirklich werden kannst, dass du es wirst! Nur: Zusagen könne er es ihr noch nicht. Die anderen auf des Kanzlers Liste aus der CDU müssten noch die Chance bekommen, sich zu entwickeln.

Wollte er es ab da nur noch nach außen hin laufen lassen?

Fest steht: Merz hatte sich früh festgelegt, dass erstmals eine Frau das höchste Amt im Staate übernehmen müsse. Aigner wusste seit dem 11. Januar, dass er sie auf dem Zettel hat. Damals war der Kanzler, direkt vor dem Abflug nach Indien, beim Neujahrsempfang der Kreis-CSU in Kaltenbrunn am Tegernsee. Für den CDU-Chef und Bundeskanzler eher ein Nicht-Termin. Seine Mission: Aigner treffen. Besprach dort, so die Überlieferung, erstmals die Idee, sie auf seine Liste für die Steinmeier-Nachfolge zu setzen.

Nun, sieben Monate später auf der Kanzlerterrasse, weiß sie, dass sie ganz oben gelandet ist bei der Kandidatinnenkür. Nur eine weitere hatte, so wird überliefert, von Beginn an echte Chancen: Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (53, CDU). Doch im August zeichnet sich ab, dass Klöckner bei der SPD keine Chance haben wird – die eine Umdrehung zu konservativ für die Genossen.

Das Merz-Problem bei seiner Damen-Wahl: Die Koalition aus Union und SPD verfügt in der Bundesversammlung (1260 Stimmen) über eine Mehrheit von 50 Stimmen. Klöckner, so die Ahnung, werde das reißen. Für Merz geht es nun darum, Aigner heil durch die Debatten zu bringen. In der CDU, wo man den Anspruch auf eine eigene Kandidatin hat. Und in der CSU, wo sie zu den ärgsten Konkurrentinnen von CSU-Chef Markus Söder zählte.

Im eigenen Laden: Widerstand – schon gegen die pure Frauen-Nummer. Merz hat gerade eine Kabinettsumbildung versemmelt – nun hantiert er mit dem Amt des Staatsoberhaupts. Sein Umfeld sieht ihn ohne Netz auf dem Drahtseil wackeln. Und aus Hessen kommen Querschüsse: CDU-Ministerpräsident Boris Rhein (54) moniert intern, dass kein Hesse ein Spitzenamt in Berlin habe. Und lässt sich selbst ins Spiel bringen.

Doch Merz führt weiter nur die Frauenliste: Aigner, Klöckner, lange nichts, dann Karin Prien (kein Rückhalt in der CDU), Annegret Kramp-Karrenbauer (auch ohne Basis) und aus Jux EU-Chefin Ursula von der Leyen.

Merz weiß: Wenn er jetzt der CDU mit einer CSU-Frau kommt, rumst es. Er lässt es laufen, wie sonst auch. Nur jetzt bewusst.

Denn da ist noch Markus „der Unberechenbare“ Söder. Der CSU-Chef gilt als Kanzler-Konkurrent. Und Aigner als Söder-Widersacherin im akuten CSU-Machtkampf. Blockiert der sie? Oder nutzt er die Chance, sie vom Hofe wegzuloben? Ab nach Berlin!?

Fest steht: Als klar wurde, dass er nicht aus der CDU als Merz-Ersatz nach Berlin gerufen werden wird, gefiel ihm die Idee, seine Bayerin zur Staatspräsidentin zu machen: Dirndl im Preußenschloss Bellevue!

Und Merz, der selbst erst im zweiten Wahlgang Kanzler wurde, braucht eine sichere Nummer für die Bundesversammlung. Ilse Aigner ist es: Grüne und SPD mögen sie. Als Söder sie auf dem CSU-Parteitag Ende Oktober abfeiert, jubelt der Chef der SPD-Bundestagsfraktion, Matthias Miersch: „Worauf warten wir noch!“ Merz wurde kalt erwischt. Für ihn der Söder-Vorstoß: noch zu früh.

Ja, worauf wartete Merz da noch? Er ließ den Parteitag verstreichen, stieg in den Flieger nach Asien. Schnupperte in Singapur an einer Orchidee, die jetzt seinen Namen trägt. Und hatte daheim nun doch die Aigner-Debatte an der Backe – weil er nichts mit Hessen-Rhein und NRW-Konkurrent Hendrik Wüst geklärt hatte.

Dann, Montag dieser Woche: Spitzentreffen der Spitzenkandidatinnen in Berlin. Aigner und Klöckner herzen, scherzen und lächeln bei einem Wohltätigkeits-Essen im Hotel Adlon. Das Signal: keine Konkurrenz. Klöckner berichtet intern immer wieder, wie wohl sie sich im zweithöchsten Amt der Republik fühle.

Am Freitag dann. Merz ruft Söder und Wüst an.

Alles klar: Weg frei für Ilse Aigner – nach ganz oben.