Über Grönland tobt ein Schneesturm, wir können nicht landen. Etwas Sprit ist noch im Tank …“, funkt der Pilot von Air Greenland Flug GL711 in den Passagierraum der alten Turboprop. Kreideweiß klammert sich die Flugbegleiterin an ihren Sitz, in Reihe drei betet ein junger Grönländer Rosenkränze. Als die Crew eine halbe Stunde später doch den Landeanflug wagt, hebt es uns schreiend aus den Sitzen.

Fast zwei Wochen durfte ich die BILD-Außenstelle Grönland besetzen. Täglich knallen die Eilmeldungen hoch in die Arktis: Trump droht, Europa schickt Soldaten. Die Bundeswehr kommt, die Bundeswehr geht. 18 Stunden Arbeit am Tag, 13 Tage lang. Stundenlang harren wir im Schneesturm vor dem Flughafen aus, um die Soldaten zu erwischen.

Es ist so viel los, dass ich manchmal vergesse, an welchem einsamen Flecken Erde wir sind. Wenn mittags für ein paar Stunden Tageslicht aufkommt und Eisberge am örtlichen Robben-Schlachthaus vorbeitreiben, ist es aber wieder da.

In einem Jahr Volo stand ich für BILD in Thailand am Strand, fuhr Panzer in Litauen, tauchte im Uboot durch Norwegens Fjorde und trauerte bei der Beerdigung von Diogo Jota in Portugal. Wo sonst bekommt man als junger Reporter so viel Vertrauen (und Budget) dafür? Ich kenne keinen anderen Ort.