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Ganderkesee (Niedersachsen) – DAS nennt man wohl „einen Schlag ins Kontor“. Fast die Hälfte der Belegschaft des renommierten Traditionsbetriebes Atlas muss sich einen neuen Job suchen. Für 180 von 400 Mitarbeitern heißt es jetzt: Neustart statt Arbeitsplatz!

Am 6. Februar hatte der weltweit bekannte Baumaschinen-Hersteller beim Amtsgericht Delmenhorst Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Auch die Unternehmen Atlas Spare Parts GmbH, Atlas FF, Atlas Group Services und Atlas Kompakt sind von der Insolvenz betroffen.

Wo die Stellen abgebaut werden

Der Generalbevollmächtigte von Atlas und die Betriebsräte haben sich nun auf ein Sanierungsprogramm geeinigt. Darüber berichtete zuerst NWZ online. Damit ist auch die Übernahme durch den kanadischen Landmaschinenhersteller Buhler Versatile, der zur türkischen ASKO Holding gehört, fast abgeschlossen. Über den Verkaufspreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Für den Erhalt des Unternehmens zahlt die Belegschaft aber einen hohen Preis. An allen drei Standorten in Niedersachsen – dem Hauptsitz in Ganderkesee sowie den Werken in Vechta und Delmenhorst – werden erheblich viele Stellen abgebaut. Die befürchtete Schließung eines kompletten Produktionsstandortes bleibt jedoch aus. Arne Bischoff, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Oldenburg, erklärt gegenüber BILD: „In Ganderkesee sitzt die Verwaltung. Vechta und Delmenhorst sind quasi ausschließlich Produktionsstandorte. Der Investor will daher alle drei Standorte erhalten.“ Und weiter: „Der Mitarbeiterabbau geht quer durch alle Bereiche.“

Wie es für die Mitarbeiter weitergeht

Warum müssen so viele Beschäftigte gehen? Dazu sagt Bischoff von der Gewerkschaft: „Der neue Investor schätzt die Lage derart ein, dass das Unternehmen nur mit dem geringeren Personal zukunftsfähig aufgestellt ist. Daher war der geplante Personalabbau auch die Bedingung für eine Übernahme.“ Im Gegenzug soll der Investor allerdings für den 1919 gegründeten Traditionsbetrieb Investitionen in die Werke versprochen haben.

Über die Höhe dieser geplanten Ausgaben möchte sich der Generalbevollmächtigte bei Atlas nicht äußern. Dafür aber zum Abbau der Jobs: „In den Verhandlungen mit dem Betriebsrat wurde dabei großer Wert darauf gelegt, möglichst sozialverträgliche Lösungen zu finden“, sagt Hans-Joachim Berner zu BILD. „So wird u. a. eine gut ausgestattete Transfergesellschaft eingerichtet, in der die dort Beschäftigten für einen Zeitraum von neun Monaten rund 85 Prozent ihres Nettogehaltes erhalten.“

Die Gründe für die Insolvenz

Für den endgültigen Übergang des Traditionsherstellers fehlt jetzt nur noch die Genehmigung nach dem Außenwirtschaftsgesetz, da ein ausländisches Unternehmen eine deutsche Firma kaufen will. Als Hauptgrund für den wirtschaftlichen Absturz nennt Atlas eine seit Längerem anhaltende Marktschwäche in der Baumaschinen- und Bauwirtschaft. Die Folge seien „deutlich rückläufige Auftragseingänge und eine niedrigere Auslastung“.