Als der Countdown auf Null zählt, bleibt Musks Riesenrakete einfach stehen
Die weltgrößte Rakete Starship von Elon Musk ist unmittelbar vor dem geplanten Abheben am Donnerstag auf der Startplattform in Texas stehengeblieben. Der Countdown wurde bereits bis Null heruntergezählt und die 33 Triebwerke der ersten Stufe wurden gezündet, doch die 122 Meter hohe Rakete hob um 17:45 Uhr Ortszeit nicht ab.
Auf einer Grafik war kurz zu sehen, dass vier Triebwerke nicht planmäßig gearbeitet haben. Offensichtlich kam es zu einem computergesteuerten, automatischen Startabbruch. Ein Sprecher von SpaceX nannte zunächst keinen Grund für den Fehlstart. Ein Datum für einen neuen Startversuch soll in Kürze bekannt gegeben werden.
Zunächst liefen die Startvorbereitungen für die inzwischen 13. Mission der Riesenrakete seit April 2023 reibungslos. Eine Sprecherin von SpaceX kündigte kurz vor der Triebwerkszündung noch ein „garantiertes Spektakel“ an. Die Starship-Rakete sollte erstmals eine Nutzlast in den Weltraum transportieren.
Geplant war das Aussetzen von 20 Internet-Satelliten der neuen, besonders leistungsfähigen Starlink-Generation V3. An der Rakete wurden auch zahlreiche Detailverbesserungen vorgenommen. Bei der vorangegangenen Mission am 22. Mai gab es Triebwerksprobleme und einen unkontrollierten Absturz der Antriebsstufe.
Finanzwelt verfolgt seit Börsengang Starts von SpaceX aufmerksam
Die Flüge der Starship-Rakete werden seit dem Mega-Börsengang von SpaceX Mitte Juni jetzt auch von der Finanzwelt aufmerksam verfolgt. Misserfolge können den Aktienkurs unter Druck setzen, der seit dem Börsendebüt stark schwankt. Bei einem Ausgabepreis von 135 Dollar stieg der Kurs kurzzeitig auf bis zu 225 Dollar. Er fiel in jüngster Zeit aber wieder auf den Ausgabekurs oder sogar leicht darunter.
SpaceX hat nach Angaben im Börsenprospekt bereits 15 Milliarden Dollar in die Entwicklung der Starship-Rakete investiert, deren Leistung schrittweise verbessert wird. So war jetzt der zweite Start der dritten Starship-Generation geplant. Die Rakete ist das Schlüsselprodukt für die weitere SpaceX-Entwicklung und soll bemannte Flüge zum Mond oder Mars ermöglichen.
Nach wie vor hat die von SpaceX gebaute 122 Meter große Rakete aber wichtige Meilensteine noch nicht erreicht. Sie hat noch nie eine komplette Erdumkreisung, also eine orbitale Mission, geschafft, und es fehlen noch die angestrebte Betankung im All und die vollständige Wiederverwendbarkeit der beiden Raketenstufen mit dem Auffangen am Startturm.
Bei der jetzt abgebrochenen Mission sollen die Antriebsstufe plangemäß sanft im Golf von Mexiko und die Starship-Oberstufe im Indischen Ozean niedergehen. Der Rückflug zum Startturm und das Auffangen beider Stufen mit den als Mechazilla bezeichneten stählernen Auffangarmen sind voraussichtlich erst mit der übernächsten Mission geplant.
Nutzlastkapazität von bis zu 200 Tonnen
Mit ihrer gewaltigen Nutzlastkapazität von bis zu 200 Tonnen im Endausbau soll die Starship-Rakete auch den Ausbau des Internet-Satellitennetzes Starlink von SpaceX beschleunigen. Die Rakete soll jetzt erstmals voll einsatzfähige, leistungsgesteigerte V3-Starlink-Satelliten in den Weltraum transportieren, die eine zehn- bis zwanzigfach höhere Kapazität (Bandbreite) als die Vorgängergeneration haben. Geplant sind Starship-Starts mit bis zu 60 Starship-Satelliten als Nutzlast, was eine 23-fach höhere Kapazität als bei den aktuellen Starts mit der Falcon 9-Rakete bedeuten würde, die in der Regel 20 bis knapp 30 Starlink-Satelliten ins All befördert.
Langfristig plant SpaceX den Betrieb von bis zu 100.000 V3-Starlink-Satelliten in einer niedrigen Erdumlaufbahn. Dies ist ein extrem ambitioniertes Vorhaben, wenn man bedenkt, dass die derzeitige Megakonstellation Starlink schon etwa 10.800 Satelliten umfasst. Starlink ist jetzt schon das mit Abstand weltgrößte Satellitennetzwerk.
Ein Starlink-V3-Projekt mit bis zu 100.000 Satelliten würde Tausende Raketenstarts erfordern. Das wäre mit den Kapazitäten der Falcon 9-Rakete, dem aktuellen Arbeitspferd unter den SpaceX-Raketen, mit insgesamt 165 Starts 2025, nicht zu schaffen. Die V3-Satelliten sind mit rund zwei Tonnen Gewicht auch deutlich schwerer als ihre Vorgänger.
Gerhard Hegmann ist freier Wirtschaftsredakteur und berichtet seit Jahrzehnten insbesondere über die Rüstungs- und Raumfahrtindustrie.