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Saint-Tropez (Frankreich) – Mario Adorf (†95) war keiner, der sich hinter Rollen versteckte. Er war echt, charmant, witzig, direkt. Dumme, oberflächliche Fragen verabscheute er, weil er das Leben immer ernst nahm, ohne sich selbst zu wichtig zu nehmen. Bei unserem letzten Treffen im August 2025 in Saint-Tropez, wenige Tage vor seinem 95. Geburtstag, wirkte er zufrieden und zugleich versöhnlich mit dem Leben.

Er sagte leise, dass es nun auch bald genug sei. Nur der Gedanke, seine geliebte Ehefrau Monique zurückzulassen, machte ihn traurig. Diese tiefe Verbundenheit erzählte mehr über ihn als jede Filmrolle. Adorf blieb bis zuletzt ein Mann mit Haltung. Der helle Hut zum weißen Sommeroutfit, der Spazierstock, aber bitte nicht auf dem Foto. Früher Champagner, heute genügte ihm ein Glas Wasser und ein Schokocroissant. Geistig hellwach, interessiert, voller Erinnerungen. Nur das Hören machte ihm Probleme, er trug zwei Hörgeräte. Er sagte damals zu mir: „Ich kann Musik nicht mehr genießen. Auch ins Theater gehe ich kaum noch.“

Mario Adorf: „Keinen Ehrgeiz, noch älter zu werden.“

Im Süden Frankreichs verbrachten Adorf und Monique immer die heißen Wochen des Jahres in ihrem Sommerhaus. Das Paar hat dazu eine Wohnung in Paris, wo Adorf nun verstarb. In Saint-Tropez feierte er 2025 im kleinen Kreis seinen 95. Geburtstag. Ein ruhiges Abendessen mit zehn engen Freunden. Er damals zu mir: „Ich feiere nicht gern meinen Geburtstag. Meine Frau ihren zum Glück auch nicht. Wir übergehen in der Regel Geburtstage, Hochzeitstage schweigend. Wir gratulieren uns nicht mal, weil uns solche Jahrestage und Daten nicht wichtig sind.“ Adorf über sein Alter: „Ich habe keinen Ehrgeiz, noch älter zu werden.“

Man spürte, dass Adorf körperlich abbaute

Er sprach offen über seine Herkunft als unehelicher Sohn, über die wunderbare Mutter und den starken Großvater, die ihn prägten. Seinen Vater, den er erst spät kennenlernte, vermisste er nicht. Dafür liebte er seine Familie umso mehr: Monique, seine Tochter und den Enkel. Ich verehrte Mario Adorf, seit ich denken kann. Als Schauspieler und als Mann. Als er in „Der große Bellheim“ spielte, hätte ich ihn glatt geheiratet, damals kannten wir uns (leider) noch nicht. Als ich ihm das erzählte, lachten wir beide. Ein Moment voller Leichtigkeit, der mir bleiben wird.

Ich fürchtete, dass es unsere letzte Begegnung sein würde. Man spürte, dass Mario Adorf körperlich abbaute. Es tröstet, zu wissen, dass er friedlich im Schlaf gegangen ist. Kein Leid, kein Drama. Nur ein leiser Abschied. Mario Adorf hat die Bühne des Lebens würdevoll verlassen. Was bleibt, sind Liebe und Haltung, die er für immer hinterlässt.