Péter Magyar hat in Budapest seinen Wahlsieg als eine Befreiung des Landes gefeiert.
„Gemeinsam haben wir das Orbán-Regime gestürzt – gemeinsam. Wir haben
Ungarn befreit, wir haben uns unsere Heimat zurückgeholt“, sagte der
konservative Oppositionsführer am Abend vor Zehntausenden
jubelnden Anhängern auf dem Batthyány-Platz in der ungarischen Hauptstadt. Der 45-Jährige, dessen Tisza-Partei nach Berechnungen der Wahlkommission eine Zweidrittelmehrheit im neuen Parlament erreicht hat, sprach von einem
„historischen Regierungsmandat“.
Noch nie in der Geschichte des Landes habe eine Partei solch ein starkes Mandat erhalten, sagte Magyar und dankte seinen Wählerinnen und Wählern, seiner Familie und allen Unterstützern. Im neuen Parlament wird Magyars Partei über 138 der 199 Mandate verfügen. Ungarn habe sich mit dieser Wahl für Europa entschieden, sagte er. Magyar versprach, die Tisza-Regierung werde für alle Ungarn da sein, nicht nur für ihre Wähler. „Ich werde alle Ungarn vertreten, auch diejenigen jenseits der Grenzen“, sagte der Wahlsieger.
„Millionen Menschen haben Geschichte geschrieben“
In seiner Ansprache in der Nacht übte er außerdem deutliche Kritik an
der Regierung seines Vorgängers Viktor Orbán und an dessen Vertrauten. Unabhängige Institutionen seien 16
Jahre lang gefangen genommen worden, sagte Magyar. Staatspräsident
Tamás Sulyok solle ihm so schnell wie möglich das Mandat zur
Regierungsbildung geben und dann von seinem Amt zurücktreten, sagte er. Auch den
Präsidenten des Obersten Gerichtshofs, den Generalstaatsanwalt und die
Leiter von Medienaufsichtsbehörde und Wettwerbsbehörde forderte er zum Rücktritt
auf. Er werde das System der wieder etablieren,
sagte der Tisza-Chef und sprach sich damit für die Gewaltenteilung im
Staat aus.
„Wie versprochen und wie erhofft haben Ungarn und mehrere Millionen Menschen heute, am 12. April 2026, erneut Geschichte geschrieben – auf den Tag genau 23 Jahre nach dem Referendum über den Beitritt Ungarns zur Europäischen Union“, sagte Magyar in Budapest. Die Parlamentswahl in Ungarn verzeichnete eine Rekordbeteiligung. Schon kurz vor Schließung der Wahllokale ermittelten die Behörden eine Wahlbeteiligung von 77,8 Prozent. Der bisherige
Rekord war 2002 eine Beteiligung von 70,5 Prozent.
„Ein starker Verbündeter von EU und Nato“
Seine erste Auslandsreise werde ihn nach Warschau führen, sagte Magyar, anschließend wolle er in Wien und Brüssel über EU-Förderungen sprechen.“Ungarn wird ein starker Verbündeter der EU und der Nato sein“, versprach er. Magyars Anhängerinnen und Anhänger begleiteten seine Ansage mit „Europa, Europa“-Rufen.
In der EU knüpfen sich an Magyars Sieg große Hoffnungen, da Orbán, der dienstälteste Regierungschef der Europäischen Union, seit Jahren auf Konfrontationskurs zur EU steht. Zwar gehörte Magyar einst selbst Orbáns Fidesz-Partei an. Inzwischen steht der Oppositionsführer für einen prowestlichen Kurs und hat mehrfach angekündigt, Ungarn, das 1999 der Nato und 2004 der EU beitrat, zu einem verlässlichen Partner innerhalb der westlichen Allianzen zu machen.
