Leipzig – Seit 20 Jahren ist das knallbunte Riesen-Wimmelbild von Michael Fischer-Art (55) am Hauptbahnhof ein Foto-Hotspot. Doch ein Hotelneubau bedrohte das 300 Quadratmeter große Werk. Bevor die Bauarbeiter sein Gemälde zerstören, griff der Künstler nun selbst zu Säge …

Aber keine Angst: Der Leipziger Maler will so sein Comic-Kunstwerk retten, wenn auch nur in Einzelteilen.

2009 bemalte Fischer-Art die Wand am Brühl mit Wendemotiven – wie Szenen aus Montagsdemonstrationen oder flüchtenden DDR-Bürgern: „Viele Besucher aus der ganzen Welt liebten das Bild und machten Fotos.“ Als Stadt der Friedlichen Revolution 1989 wurde Leipzig nach der Wende ein beliebtes Reiseziel.

Doch seit Wochen kletterte ein hier geplanter Hotelneubau (Amano-Gruppe, 270 Zimmer) in der Baulücke in Bestlage jeden Tag höher – seine Kunst drohte zu verschwinden. Fischer-Art: „Dabei war schon damals geplant, dass ich es abtragen kann, wenn es so weit ist.“

Kunstwerk drohte unter Neubau zu verschwinden

Die Geschwindigkeit der Arbeiten drohte Fakten zu schaffen und Fischer-Art bangte um sein Werk. Nach einigen Verhandlungen endlich das Go für die Rettung: Der Leipziger trägt sein Werk Stück für Stück in Teilen ab. Die kleinsten sind 30×40 Zentimeter groß, die größten messen etwa 200×200 Zentimeter.

Michael Fischer-Art erklärt; „Die Farbe ist auf einer etwa fünf Millimeter dicken Putzschicht aufgetragen, die an einer Gaze aufgebracht ist. So kann ich problemlos Stück für Stück das Werk abtragen.“

Mit Gipskartonsäge an Kunstwerk

Mit einer Gipskartonsäge steht er nun fast täglich auf dem in die Höhe wachsenden Gerüst: „Ich rücke den Arbeitern nach und werde deshalb noch etwa drei oder vier Monate brauchen.“ Insgesamt wird er sein Wimmelbild in etwa 5000 Einzelteile zerlegen und zunächst sorgfältig nummeriert in seinem Atelier einlagern.

Fans aus der ganzen Welt wollen ein Stück Fischer-Art

Dann werden die Puzzle-Teile verkauft: „Wir haben schon rund 2500 Anfragen aus der ganzen Welt bis nach Australien. Viele Fans wissen auch genau, welches Stück sie haben wollen.“ Einzelne Elemente soll es ab 100 Euro geben.

Den Erlös will Fischer-Art nicht behalten: „Wir unterstützen damit gemeinnützige Projekte in Borna, aber auch in Nepal oder Namibia.“